Berlin - Für die Oberstufenschüler endet bereits heute das Schulhalbjahr und sie erhalten in der Regel ihre Zeugnisse. Für alle anderen Schüler ist das Halbjahr erst Ende Januar vorbei. Doch auch die Schüler der gymnasialen Oberstufe erhalten ihre Noten häufig nicht mehr vor Weihnachten. Viele Gymnasien schaffen es organisatorisch nicht, die dafür nötigen Zeugniskonferenzen noch vor den Ferien durchzuführen. Zumal sie durch den doppelten Abiturjahrgang im kommenden Jahr mehr Schüler benoten müssen.

Deshalb werden an vielen Schulen die Oberstufen-Zeugnisse erst unmittelbar nach den Ferien verteilt. „Wir haben ja nicht nur den doppelten Abiturjahrgang in einem sehr kurzen Schuljahr, sondern durch die vorgezogene Einschulungsfrist 2005 auch einen größeren 7. Jahrgang“, sagt Rainer Völkel, Leiter des Kreuzberger Koch-Gymnasiums. Seit 2008 beginnt das letzte, zeitlich äußerst knappe Kurshalbjahr vor dem Abitur direkt nach den Weihnachtsferien.

Um einen Notenpunkt schlechter

Gerade Eltern des jüngeren Jahrgangs sorgen sich wegen des doppelten Abi-Jahrgangs. Sie befürchteten, dass die jüngeren Schüler, bei denen die 11. Jahrgangsstufe als Orientierungshilfe wegfiel, nicht mit den älteren Schülern mithalten können. Denn die hatten ein Jahr länger Schule. „Doch die Unterschiede haben sich nivelliert“, sagt Bernd Kokavecz, Leiter des Humboldt-Gymnasiums in Tegel. Schüler seien jetzt im Gesamtdurchschnitt wohl noch einen Notenpunkt schlechter. Zur Erläuterung: Der maximal zu erreichende Notenpunktwert ist 15 (voll sehr gut), 0 Punkte (ungenügend) ist der schlechteste Notenpunkt. „Der Abi-Durchschnitt der Jüngeren könnte somit um etwa 0,1 schlechter sein“, schätzt Kokavecz. An einigen Gymnasien haben viele angehende Abiturienten bereits freiwillig wiederholt. Eltern oder volljährige Schüler können dies beantragen, das zuständige Lehrergremium stimmt dem in aller Regel zu. „Bei uns gingen 50 von über 300 Schülern freiwillig zurück“, sagt Kokavecz. Davon hätten aber 28 Schüler zuvor ein Auslandsjahr absolviert. Laut Schulverwaltung wiederholten im Doppeljahrgang acht Prozent aller Schüler, zuletzt lag dieser Wert nur bei vier bis fünf Prozent. 2012 werden sich voraussichtlich 18 261 Abiturienten prüfen lassen, etwa 6 000 mehr als im letzten Jahr.

Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) kündigte jetzt in einem Weihnachtsbrief an die Schulleiter an, zum 1. Februar 350 Lehrer unbefristet einzustellen. Derweil bangen die Schulen, ob weiter Geld für die Kooperation mit außerschulischen Partnern da ist. Sonst stehen etwa Theater- oder Musikprojekte vor dem Aus. Scheeres versprach, dass unaufschiebbare Projekte fortgeführt werden können und neue Verträge möglich seien, wenn der Haushalt beschlossen ist.