Hallenbrand in Berlin-Reinickendorf: Kinder legten das Feuer in der Turnhalle

Den Brand in einer Reinickendorfer Turnhalle haben kokelnde Kinder ausgelöst. Zu diesem Schluss kam die Polizei.

Wie die Polizei am Sonnabend mittelte, brachten Zeugenaussagen die Ermittler auf die Spur eines achtjährigen Jungen, der im Beisein der Eltern angehört wurde. Das Kind gab an, dass es am vergangenen Mittwoch zusammen mit weiteren Kindern in die Turnhalle auf dem Areal der ehemaligen Karl-Bonhoeffer-Klinik eingedrungen sei und dort gekokelt habe. Dabei sei der Brand entstanden, der zum vollständigen Abbrennen der Halle führte.

Die Feuerwehr war mit rund 100 Männern im Einsatz, um die Flammen an der 600 Quadratmeter großen Halle zu bekämpfen. Wegen des giftigen starken Rauchs, der kilometerweit über der Stadt zu sehen war, wurden Anwohner angewiesen, die Fenster zu schließen.

Die Kinder sind strafunmündig

Inzwischen konnte die Polizei auch die anderen Jungen, die sich zur Tatzeit in der Halle aufhielten, ermitteln. Sie wurden am Wochenende ebenfalls angehört. „Zwei von ihnen haben die Handlung ebenso eingeräumt“, sagte ein Polizeisprecher.

Die Flüchtlingskinder sind Bewohner von Unterkünften auf dem Gelände der Karl-Bonhoeffer-Klink. In vier Häusern sind etwa 900 Flüchtlinge untergebracht. Die kleinen Brandstifter sind wegen ihres geringen Alters noch strafunmündig und durften bei ihren Eltern bleiben. Gegen diese wird wegen Vernachlässigung der Aufsichtspflicht ermittelt. Weitere Angaben wollte die Polizei zu dem Thema am Sonntag nicht machen.

Nach den wiederholten Brandanschlägen auf Flüchtlingsunterkünfte in den vergangenen Wochen – zuletzt brannte eine Turnhalle in Nauen bei Berlin – hatten sich Berliner Politiker besorgt gezeigt. Bereits am Mittwoch, als die Trümmer der Halle noch brannten, fanden sich unter anderem Sozialsenator Mario Czaja und Innensenator Frank Henkel (beide CDU) und Integrationssenatorin Dilek Kolat (SPD) dort ein.

Nachdem die Brandursache nun offenbar geklärt ist, erklärte Henkel am Wochenende unter anderem: „Es ist unerlässlich, dass wir sensibel gegenüber extremistischen Bedrohungen sind und in alle Richtungen ermitteln. Ebenso wichtig ist es jedoch, die Ermittler ihre Arbeit machen zu lassen, ohne dass sie durch Vorfestlegungen eingeengt werden. Die aktuelle Entwicklung zeigt, warum es vernünftig ist, dass eine öffentliche Bewertung nicht schon zu Beginn von Ermittlungen erfolgt.“

Susan Hermenau vom Flüchtlingsheimbetreiber Prisod sagte: „Wir sind froh, dass es kein rechtsextremer Brandanschlag war und dass wir uns in unserem guten Eindruck von Reinickendorf nicht getäuscht sehen.“