Berlin - Das neue Wohnhaus am Berlin-Spandauer-Schifffahrtskanal wirkt keinesfalls glatt geschliffen wie so viele Neubauten in der Innenstadt. Die Balkone springen in der Fassade vor und zurück, die Brüstungen werden aus eingefärbtem Glas bestehen. So soll jeder Bewohner trotz dieses öffentlichen Ortes am Hamburger Bahnhof, den viele Touristen besuchen, ein Stück Privatheit erhalten, sagt der Architekt Tilman Fritzsche vom Architekturbüro Léon Wohlhage Wernik. Das Büro hat kürzlich den Gestaltungswettbewerb für das Wohnhaus gewonnen. Das Gebäude mit 120 Eigentumswohnungen wird der Berliner Projektentwickler Klaus Groth für 50 Millionen Euro errichten.

Als Kunstcampus wird das Areal hinter dem Ausstellungsort Hamburger Bahnhof und neben der Rieck-Halle bezeichnet. Anfangs war der Name eher als ein Wunschbild zu verstehen, vor ein paar Jahren siedelten sich dort aber sechs Künstler und Galeristen in einer umgebauten Halle am Wasser an. Auch die Investoren setzen inzwischen auf Kunst: „Das Quartier wird durch Kunst und Kultur insgesamt aufgewertet.

Wir geben den Künstlern die Möglichkeit, sich hier zu etablieren“, sagt Groth. Der Kunstcampus sei das eigentliche Juwel der Europacity. Die erstreckt sich vom Hauptbahnhof bis zur Perleberger Brücke entlang der Heidestraße, ist 40 Hektar groß und soll in den kommenden Jahren mit Büro- und Geschäftshäusern, Hotels und Wohnungen bebaut werden.

Am Kunstcampus werden in den derzeit geplanten Neubauten insgesamt 20 bis 25 Ateliers und Galerien entstehen. Darauf haben sich die Investoren geeinigt. Projektentwickler Groth will im Erdgeschoss seines Wohnhauses allein 6 bis 8 jeweils 250 Quadratmeter große Ateliers einrichten. Galeristen aus der ganzen Welt seien in den Standort Berlin verliebt. Groth hat Anfragen etwa von Kunsthändlern und Ausstellungsmachern aus New York, Chicago, Singapur, Hongkong und Shanghai. „Sie fragen auch hochpreisige Wohnungen nach, nur es fehlt an exzellenten Standorten.“

Den hat Groth am Kunstcampus ausgemacht. Die Wohnungen dort sollen zwischen 65 und 180 Quadratmeter groß werden. Die exklusive und hochwertige Ausstattungen hat ihren Preis: Durchschnittlich 5000 Euro pro Quadratmeter müssen die künftigen Bewohner zahlen, in Spitzenlagen bis zu 9000 Euro. Wie Groth sagt, habe er mit den anderen Investoren wie dem Stromnetzbetreiber 50Hertz, der Edel AG sowie dem Schweizer Unternehmen Ernst Basler & Partner verabredet, dass die Gebäude am Kunstcampus zeitgleich errichtet werden. Demnach soll Baubeginn Ende dieses Jahres oder Anfang 2014 sein, die Fertigstellung der Projekte ist für Ende 2015 vorgesehen.

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Spektakulär ist dabei auch das Vorhaben von Michael Haentjes, Gründer und alleiniger Chef der Edel AG aus Hamburg, die nach seinen Angaben zu den größten unabhängigen Musikunternehmen in Europa zählt und mehr als 800 Mitarbeiter beschäftigt. Haentjes hat am Donnerstagabend seinen Neubau am Kunstcampus vorgestellt, in dem es Galerien, Büros und Wohnungen geben soll. Die Architektur wird in der sonst so biederen Berliner Stadtlandschaft provozieren – denn die Etagen des neuen Kunsthauses sind scheibenartig verdreht.

Senatsbaudirektorin Regula Lüscher gefällt das und sieht darin eine Architektur, die „die Besonderheit des Kunstcampus betont“. Wie kleine Perlen werden die Gebäude am Wasser stehen, sagt sie.