Als er die neuen Regeln im Detail erfährt, wird Henry Redder richtig wütend. „Das ist doch alles wieder so ein Bürokratenkram“, schimpft der Fuhrparkleiter der Firma Bergmann in Reinickendorf, eine der großen Firmen im Bereich sanitäre Anlagen und Rohrleitungsbau. Für ihn jedenfalls kämen die neuen Handwerkerparkausweise für 200 Euro pro Jahr kaum in Frage: „Zu kompliziert und viel zu teuer! Das ist doch kaum versteckte Geldschneiderei!“ Bei den Praktikern jedenfalls hält sich die Begeisterung über die von Senat und Kammern ausgehandelten Erleichterungen für Handwerker in engen Grenzen.

Gab es schon mal

„Im Prinzip“ findet Norman Koziolek den neuen Parkausweis für Handwerker trotzdem gut. „Aber das ist doch nichts Neues. Das gab’s doch schon.“ Als „Der andere Klempner“, so sein Firmenname, noch viel in der Innenstadt unterwegs war, habe er sich einen solchen Ausweis in Mitte besorgt. Ob es beim Bezirksamt war oder bei der Polizei, das weiß Koziolek nicht mehr genau.

„Das war noch zu D-Mark-Zeiten. Hat 300 Mark gekostet und galt für alle Parkzonen. Und es ging ganz formlos und unbürokratisch.“ Damals hatte der Klempner aus der Brunnenstraße noch mehrere Mitarbeiter und Fahrzeuge. Inzwischen führt er einen Einzelbetrieb und arbeitet viel in anderen Stadtteilen. Für ihn sei der Ausweis nicht nötig, sagt Koziolek.

Und dann noch die Anwohnervignette

Klaus-Günter Eckert hat seinen Sanitärbetrieb in Mitte, in der Almstadtstraße. Aber er ist mit seinem Opel Vivaro-Transporter in der ganzen Stadt unterwegs. „Überall muss ich Parkscheine ziehen, und wenn ich es mal vergesse, bekomme ich ein Ticket.“ Auf rund 50 Euro schätzt der Sanitärmeister die anfallenden, jährlichen Parkkosten. Hinzu kommt noch die Anwohnervignette, die er für seinen Firmenwagen alle zwei Jahre für rund 120 Euro kaufen muss.

Für ein Einzelunternehmen wie seins findet Eckert die Jahresgebühr von 200 Euro für den Parkausweis zu hoch. „Ich zahle Steuern und werde noch mal bestraft“, sagt er. Ob er ihn sich besorgen wird, weiß er noch nicht. „Ich habe jetzt viel in Zehlendorf, Steglitz und Marienfelde zu tun. Da ist es mit dem Parken nicht so schlimm.“ Und privat wohnt er mittlerweile in Schildow im Landkreis Oberhavel. „Das ist beruhigend“, sagt Eckert. „Man weiß immer, man hat einen Parkplatz.“

Nur für Leute, die nicht rechnen

„Der neue Parkschein ist nur etwas für Kleinstbetriebe, die viel in den entsprechenden Zonen zu tun haben“, meint Henry Redder. Die Firma Bergmann beschäftigt 160 Mitarbeiter und unterhält 83 Einsatzfahrzeuge, die überall in der Stadt unterwegs sind. Die jährlichen Ausgaben für Parkgebühren – für alle Wagen – beziffert er mit maximal 300 Euro.

Trotzdem hätte es Redder gut gefunden, wenn man kostengünstig eine Vignette erwerben könnte, die dann den Mitarbeitern, die morgens für Arbeiten in der Innenstadt eingeteilt werden, ausgehändigt würde. „Das würde uns die lästige Rennerei und Abrechnerei mit den Parkzetteln ersparen.“

Als die Debatte um die Handwerkerausweise in den Kammern begann, sagt er, sei er von einer Gebühr von vielleicht zehn Euro ausgegangen. „Das hörte sich zuerst ganz anders an.“ Bei der jetzt präsentierten Lösung sei es fast günstiger, Strafzettel zu bezahlen. „Den Ausweis besorgen sich nur Kollegen, die nicht rechnen.“