Die Wasserversorgung dieser Stadt läuft am Arbeitsplatz von Jorin Mundhenk zusammen – und das riecht man. Man könnte auch sagen: Es stinkt ziemlich. „Der Abwassergeruch ist Teil des Jobs. Das weiß man, wenn man sich darauf einlässt“, sagt er und lacht. Der 20-Jährige macht eine Ausbildung zum Tiefbau-Facharbeiter bei der Firma Frisch & Faust in Pankow.

Dieses Unternehmen wurde am Montagabend als Berlins bester Ausbildungsbetrieb 2018 ausgezeichnet – und zwar in der Kategorie mit 51 bis 249 Mitarbeitern. In der Kategorie mit mehr als 250 Beschäftigten gewann der Fachgroßhandel für Haustechnik und Industriebedarf Bär & Ollenroth. In der Sparte bis zu 50 Mitarbeiter gab es sogar zwei Gewinner: den Farbenhersteller Brillux und die Druckerei Druckzuck.

70 Firmen hatten sich für den Wettbewerb beworben, den die Industrie- und Handelskammer und die Handwerkskammer ausschreiben, um engagierte Nachwuchsförderung zu belohnen. Zur Jury gehören unter anderem Arbeitssenatorin Elke Breitenbach (Linke) und Jochen Arntz, Chefredakteur der Berliner Zeitung.

„Das ist das Schöne an meinem Job“

Ein paar Tage vor der Auszeichnung steht Jorin Mundhenk in Marzahn auf einer Leiter, die in eine schmale, tiefe Baugrube hinabführt. Zwölf Meter unter ihm fließt Wasser durch einen Kanal. „Das ist sowohl Regenwasser als auch Abwasser aus den Haushalten im Osten der Stadt“, sagt Mundhenk.

Der Kanal hat einen Durchmesser von etwa einem Meter – und ist damit zu groß geworden für den sinkenden Wasserverbrauch der Berliner. „Jede Toilette hat heute eine Wasser-Spartaste, die Kanäle fließen bei weniger Auslastung nicht mehr optimal ab.“ Jorin Mundhenk und seine Kollegen verengen nun den Kanal, damit das Wassernetz unter der Stadt wieder zum veränderten Verhalten ihrer Bürger passt.

„Das ist das Schöne an meinem Job“, sagt er. „Ich schaffe etwas mit meinen Händen, das den Menschen in Berlin unmittelbar nützt.“
Als einziger Abiturient seines Jahrgangs entschied er sich gegen das Studium und für eine Ausbildung. „Meine Generation geht zu schnell an die Uni“, sagt er. „Dann wird irgend ein Fach angefangen, nach zwei Semestern gewechselt, und sich dann ein Jahr später wieder neu orientiert.“ Auch er war sich nach der zwölften Klasse nicht sicher, wie seine Zukunft aussehen soll, aber er wusste: „Ich will etwas Praktisches machen.“

Abbrecherquote nur bei etwa zehn Prozent

Eine Internetrecherche führte ihn zum Ausbildungsangebot von Frisch & Faust. „Das klang spannend. Schon im Unterricht der siebten Klasse hat es mich fasziniert, wie Riesenstädte wie etwa Mumbai ihre Wasserversorgung regeln“, erzählt er. Noch heute hört man die Begeisterung durch, wenn Mundhenk über Wasseraufbereitung und Fließverhalten, über Rostprozesse und Betonarten spricht. Mittlerweile ist er im zweiten Lehrjahr und hat sich auf Rohrleitungsbau spezialisiert.
Unter den Auszubildenden ist er mit seinem Abitur eine Ausnahme.

Aktuell arbeiten 30 Lehrlinge in dem Betrieb, jeder fünfte Mitarbeiter ist ein Azubi. „Viele haben einen mittleren Schulabschluss, andere eine Berufsbildungsreife. Mit Nachhilfe unterstützt die Firma diejenigen, die Probleme mit dem Stoff der Berufsschule haben“, sagt Mundhenk.
Vor den Prüfungen organisiert das Unternehmen diese Unterstützung für seinen Nachwuchs. Auch ein Mentorensystem soll den Jugendlichen helfen, ihre Ausbildung durchzuziehen. Denn berlinweit bricht noch immer jeder dritte Azubi seine Lehre vorzeitig ab. Bei Frisch & Faust liegt die Abbrecherquote hingegen nur bei etwa zehn Prozent.

„Es ist gut, dass jeder Kandidat vor dem Bewerbungsgespräch ein einwöchiges Pflichtpraktikum macht“, sagt Mundhenk. „Wer falsche Vorstellungen hat, merkt das schnell.“ Denn die Arbeit auf den etwa 20 Baustellen der Firma in Berlin kostet Kraft. Die Mitarbeiter tragen schwere Teile umher, schippen Sand. Körperliche Fitness ist wichtig, Durchhaltevermögen und Präzision. Klagen würde Mundhenk über die Arbeit auf der Baustelle aber nie, auch nicht bei 30 Grad und sengender Sonne. „Was gemacht werden muss, wird gemacht“, sagt er. 

Duales Studium zum Bauingenieur

Auch für Dieter Mießen, den Ausbildungsleiter von Frisch & Faust, ist Zuverlässigkeit unabdingbar. „Bewerber, die in fünf Tagen Praktikum dreimal zu spät kommen, haben keine Chance auf einen Platz.“
Schwere Suche nach Lehrlingen

Schlechte Schulnoten in Deutsch, Mathe oder Englisch verzeiht Mießen schon eher. Denn die Suche nach geeigneten Auszubildenden sei „unendlich schwer“. Sinkende Bewerberzahlen gingen mit immer schlechteren Qualifikationen einher. „Zum Glück haben wir vor zehn Jahren ein Bildungsnetzwerk mit Schulen und Partnern aufgebaut, aus dem wir heute viele Auszubildende rekrutieren.“ Nur deswegen habe man bisher alle Ausbildungsplätze besetzen können. Jorin Mundhenk wird seine Lehre 2019 abschließen.

Er könnte seinen Gesellen als Kanalbauer, Rohrleitungsbauer oder als Straßenbauer machen, später Polier oder Meister werden. Aber Jorin Mundhenk schwebt anderes vor: „Frisch & Faust arbeitet mit zwei Universitäten in Berlin und Potsdam zusammen: Ein duales Studium zum Bauingenieur, das wäre es.“