So sahen sie mal aus, die Handys. Man mag es kaum glauben. 
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BerlinWer Ende der 90er-Jahre schon ein Mobiltelefon besaß, damals einen heute prähistorisch anmutenden Plaste-Knochen mit ausfahrbarer Antenne und ruckeligem LED-Display, der musste sich im öffentlichen Raum des Protzertums zeihen lassen, wenn das Gerät doch tatsächlich die Unverschämtheit besaß zu klingeln. Noch unbeholfen krächzte man verschämt seinen Namen in des elektronische Gerät, das unser Leben verändert hat wie zuletzt wahrscheinlich die Entdeckung des Feuers und die Erfindung des Buchdrucks. Nur zwei Dekaden später würde niemand mehr peinlich berührt reagieren, wenn jemand in der Öffentlichkeit in sein Handy quatscht, als ob sein Leben davon abhinge. Jeder Mist wird quasi coram publico verzapft und das Mobiltelefon ist längst fester Bestandteil, Luxusgut und unverzichtbarer Begleiter unseres Alltags geworden.

Im Gegenteil: wer heute kein Smartphone besitzt, muss sich der Uncoolness verdächtigen lassen, und ich würde mir wünschen, das dasselbe endlich, endlich, endlich für den Mund-Nasen-Schutz, kurz MNS, gelten könnte. Am Dienstag hatte ich einen Arzttermin (mit MNS), danach schaute ich mir den großmächtigen Farbrausch von Katharina Grosse an, der mich allerdings recht kaltließ. Vielleicht habe ich auch nicht alle richtig gesehen, denn meine Brille beschlug ständig von der Atemluft, die aus der Maske auf die Gläser geleitet wurde, so fest ich den Metallbügel auch bog. Egal! Ich trug eine Maske, alle trugen eine, die Pförtner, die Besucher und niemand beschwerte sich, keiner krakeelte irgendwas von Freiheitsberaubung, „Gates noch?“ oder „Danke Merkel!!“.

Danach noch kurz in den Supermarkt. Auch hier alle mit Mundschutz, bei einem älteren Herren, der sich etwas mühsam durch die Gänge bewegte, zierte die Maske ein roter Kussmund, eine Frau mit Kinderwagen hatte eine Atemmaske auf, die mit silbernen Totenköpfchen bedruckt war. Niemand schien sich an dem Umstand zu stören, dass es nun mal im Moment nur mit Maske geht. Bis auf eine Kundin, natürlich betagt und absolute Risikogruppe, die sich weigerte, eine Maske zu tragen. Warum, ist nicht ersichtlich, denn sie hält sie in der Hand und knetet sie wütend, während sie sich offenbar in einer Auseinandersetzung mit der Frau an der Kasse befindet, die hinter der Plexiglasscheibe genervt dreinblickt.

Warum die Frau die Maske nicht tragen wollte, frage ich die Kassiererin, als ich an der Reihe bin. Keine Ahnung, erwidert sie, dabei habe man ihr die Maske am Eingang sogar gegeben. Aber man könne ja niemanden zwingen. Schade eigentlich, denke ich beim Verlassen des Marktes. Zum Handy wurde allerdings auch niemand gezwungen und jeder hat eines.