Hanf-Parade in Berlin: Demo für legales Kiffen zieht am Samstag durch Berlin

In Kreuzberger Kellerräumen wird noch fleißig gebastelt – Riesenjoints aus Pappmaché entstehen dort. Noch ist alles ganz geheim, aber am Samstag sollen sie auf der diesjährigen Hanf-Parade durch die Stadt getragen werden. Die 19. Ausgabe der Demonstration steht unter dem Motto „Nutzt Hanf!“ und soll noch politischer werden als alle bisherigen Paraden, sagt Veranstalter Steffen Geyer vom Verein Hanf e.V.

„Es ist ja derzeit viel Bewegung in dem Thema, weltweit und auch hier“, sagt der Aktivist mit den roten Haaren, dessen Verein auch das Hanfmuseum im Nikolaiviertel in Mitte betreibt. Bis zu 10.000 Teilnehmer erwartet Geyer zur Hanf-Parade. In den vergangenen Jahren waren maximal 6 000 gekommen. Doch die Schar der Befürworter für eine Legalisierung von Hanf wächst. Für eine Entkriminalisierung von Anbau und Konsum plädierten inzwischen Vertreter aller politischer Parteien, so Geyer: „Dass ein CSU-Gesundheitsminister daran arbeitet, dass schwerstkranke Schmerzpatienten Cannabis nutzen dürfen, hätte vor einigen Jahren noch niemand für möglich gehalten.“

Hanf in Autos

Außerdem sei Hanf nicht nur Genussmittel. Er werde auch als Baustoff eingesetzt, etwa zum Dämmen von Hausfassaden, und sogar in elektronischen Schaltkreisen werde er eingebaut Geyer: „Wer weiß schon, dass etwa 15 Prozent der weltweiten Hanffaserproduktion in die Automobilindustrie gehen?“.

Doch natürlich wird es bei der Parade in erster Linie um das Genussmittel Hanf gehen. Grünen-Landeschef Daniel Wesener, der explizit zur Teilnahme an der Demo aufruft, forderte eine vernünftige Drogenpolitik, Berlin sollte dabei Vorreiter sein. Selbst Vertreter der Polizei sowie Strafrechtsexperten plädierten für eine Entkriminalisierung sowie für regionale Modellprojekte für ein liberaleres Herangehen an das Thema.

Städte wie Bremen, Hamburg, Köln oder Frankfurt/Main planten demnächst ähnliche Initiativen wie Friedrichshain-Kreuzberg. Der Bezirk hat beim zuständigen Bundesamt für Arzneimittel die Einrichtung von vier staatlichen Abgabestellen für Cannabis beantragt. Volljährige Bezirksbewohner sollen dort kontrolliert Cannabis kaufen können, der Schwarzmarkt vor allem im Görlitzer Park damit ausgetrocknet werden.

Wesener: „Während der hiesige Senat kürzlich das Scheitern seiner Null-Toleranz-Politik im Görlitzer Park eingestehen musste, erlebt der US-Bundesstaat Colorado nach der Freigabe von Cannabis ein Wirtschaftswunder.“

Ablauf der Hanf-Parade:

13 Uhr: Start am Hauptbahnhof. Politiker und Experten aus Berlin und München wollen über den Nutzwert von Hanf informieren.

15 Uhr: Stopp vor dem Gesundheitsministerium. Die kostenfreie Cannabisabgabe an alle bedürftigen Patienten wird verlangt.

16 Uhr: Stopp im Lustgarten. Hier geht es hauptsächlich um das Thema Strafverfolgung der Hanf-Nutzer.

17 Uhr: Abschlusskundgebung am Brandenburger Tor mit Livemusik und Aktionen. Fachpolitiker wie Frank Tempel (Linke), Thomas Isenberg (SPD) und Monika Herrmann (Grüne) reden.

http://www.hanfparade.de/