Das Café Bauer am Kudamm, das der Maler Lesser Ury 1898 festhielt, war eines der berühmtesten Berliner Kaffeehäuser.
CC 3.0

„Großstadt-Dokumente“ heißt die Buchreihe, die zwischen 1904 und 1908 in Berlin erschien. Herausgegeben hat sie der Journalist und Kulturhistoriker Hans Ostwald (1873–1940) – 51 Bände, jeder um die einhundert Seiten schmal. Geplant als eine Gegenüberstellung der Großstädte Berlin und Wien, wurde es vor allem das umfangreichste Porträt der Stadt Berlin um 1900. Die Bände beschäftigen sich mit Banken und Prostituierten, mit der Modeindustrie und der Arbeiterbewegung, mit dem Scheunenviertel, mit Schwulen und Lesben, mit dem Nachtleben und den Sportvereinen. Natürlich fehlen auch nicht die „Sekten und Sektierer Berlins“.

Im Zentralverzeichnis antiquarischer Bücher werden derzeit nur zwei Bände angeboten. „Das Zuhältertum in Berlin“ – der Band kostete damals eine Mark, heute ist er für 50 Euro zu haben; und „Zehn Lebensläufe von Berliner Kontrollmädchen und zehn Beiträge zur Behandlung der geschlechtlichen Frage“ – für 80 Euro. Wessen Verlangen auf die Bände geweckt wurde, können die meisten von ihnen im Internet lesen. Darunter auch „Die Tribadie Berlins“, eine von den Behörden schnell verbotene Darstellung des lesbischen Berlin. Am Anfang des Bändchens steht eine 20-jährige Fabrikarbeiterin, die aus ihrem Leben erzählt. Das tun auch eine Schriftstellerin, eine Klavierlehrerin, Prostituierte und Fürsorgezöglinge. Neben diesen „Interviews“ gibt es kurze Erörterungen zum Beispiel über „Gleichgeschlechtliche Frauenliebe und Strafgesetz“ und „Weibweibliche Liebe in naturwissenschaftlicher Beleuchtung“.

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