Berlin - Geisterschiffe sind ein beliebtes Sujet für Abenteuerromane und Filme. Unerwartet und ohne Besatzung tauchen sie an ungewöhnlichen Orten auf, um dann auf mysteriöse Weise wieder zu verschwinden. Nicht so die Hansekogge „Gode Wind“, die seit anderthalb  Jahren an der Einfahrt zur Rummelsburger Bucht festgemacht hat. 

Ohne erkennbaren Nutzen  und mannschaftslos ist auch sie. Das aber hat sich der Eigner Toni Kaiser ganz anders vorgestellt, als er das Schiff im Sommer 2014 aus Litauen holte.   Aus der Kogge  wollte er ein Restaurantschiff machen – in einer Gegend, die an schönen Wochenenden  zahllose Spaziergänger anlockt, die sich aber bislang  nicht durch eine besonders hohe Dichte an gastronomischen Einrichtungen auszeichnet.    

Kulisse für „Störtebeker“

Nach anderthalb Jahren Kampf um  eine Betriebserlaubnis hat Kaiser jetzt  wieder große Hoffnung, dass er sein Restaurant in diesem Sommer endlich eröffnen kann. Der Bezirk Lichtenberg erteilte eine Genehmigung für zwei Jahre, das Wasserschifffahrtsamt hat nichts dagegen. „Wir stehen kurz vor dem Finale“, meint Kaiser und ist fest davon überzeugt, dass er  auch die Sicherheitsauflagen erfüllen kann, die die untere Wasserbehörde zur Bedingung für eine Erlaubnis macht.

Diese Schwierigkeiten seien nicht absehbar gewesen, als er sich an das Projekt heranwagte, sagt Kaiser. Sein Unternehmen Hauptstadtfloß bietet seit sieben Jahren auf hölzernen Plattformen Touren über Berliner Gewässer an und unterhält zwei Fahrgastschiffe. Auf die Kogge sei er mehr oder weniger durch Zufall aufmerksam geworden. Sie ist 2005 für die ARD-Historienserie „Störtebeker“ gebaut worden. Danach diente sie  in Juod-krante (Schwarzort) auf der Kurischen Nehrung als Restaurantschiff. Der Transport von Litauen nach Berlin war ein Abenteuer, in das viel Geld und ein halbes Jahr Vorbereitung flossen.

„Wir hatten  vorher einiges geklärt“, sagt Kaiser und räumt jedoch ein: „Allerdings mochten sich die Behörden nur mündlich äußern.  Sie meinten, dass die technischen Fragen geklärt werden könnten und das Projekt an dem Standort genehmigungsfähig sei.“ Sie wollten es aber erst einmal sehen. So startete Kaiser seine spektakuläre Aktion mit dem 50 Tonnen schweren, 30 Meter langen und  acht Meter breiten Objekt. Er ließ das Schiff, das ja nur Kulisse war und nicht schwimmfähig ist, in einen Frachter verladen und nach Berlin bringen, wo ein Kran es ans Ufer hob.

Seitdem steht es da, nur ein einziges Mal waren Gäste für eine Veranstaltung geladen.  „Als wir die Kogge hier hatten, schien sich die Situation um 180 Grad gedreht zu haben“, sagt Kaiser.  Ein dreiviertel Jahr  sei es um die Zuständigkeit gegangen. Das Bauamt  fühlte sich  nicht zuständig, weil das Objekt sich nicht an Land befindet. Die Schifffahrtsuntersuchungskommission genehmigt, wie der Name schon sagt, nur Schiffe und schwimmende Objekte. Die Kogge aber ist gar kein richtiges Schiff, und sie schwimmt nicht einmal – sie steht festgemacht auf einem Ponton.

Angst vor dem Lärm

Doch das waren keineswegs die einzigen Probleme. Der Bezirk hatte den Standort als Gewerbegebiet ausgewiesen, gastronomische Einrichtungen wollte er hier eigentlich nicht. Aber  inzwischen gibt es am Ufer nicht nur Gewerbe sondern auch Freizeiteinrichtungen wie die Ostbloc-Boulderhalle und  Sport- und Hausboote haben hier Liegeplätze, so dass die Behörde ihre Position überdachte.

Vor allem auf der Stralauer Seite  machen Anwohner Bedenken geltend, auf der „Gode Wind“ könnte es zu laut werden. Da gibt es einschlägige negative Erfahrungen mit den Grill- und Partybooten, die lärmend bis in den frühen Morgen übers Wasser schipperten und schippern. „Wir planen keine weitere Party-Location, sondern ein Restaurant für gehobenere Ansprüche“, versichert Kaiser. Fisch soll den Schwerpunkt bilden. Bei einer Anwohnerversammlung Ende letzter Woche bekam Kaiser überwiegend positive Resonanz, als er seine Pläne für die „Gode Wind“ vorstellte. Doch den  Einen oder  Anderen muss er noch überzeugen, das weiß Kaiser.