Das RAW-Gelände an der Revaler Straße, auf dem sich der Suicide Circus nach mehreren Umzügen seit ein paar Jahren befindet, erinnert stark an das Ost-Berlin der 90er Jahre: leere Industriegebäude, Wildwuchs, Freiflächen. Und auch der Club in einem flachen Klinkerbau am Rande des Geländes hat wenig mit Hipster-Attitüde und House-Geschunkel zu tun.

Herr Brendeler, vor fünf Jahren haben Sie auf dem RAW-Gelände Ihren Club Suicide Circus eröffnet. Haben Sie damals geahnt, dass diese Gegend ein so zentraler Party-Ort werden würde?

Nein, zumal unsere Ecke sich im Vergleich zum Rest des Geländes im Dornröschenschlaf befand. Der RAW-Tempel hat vorne die Häuser betrieben, und alles in Richtung Bahn war verwaist.

Mittlerweile wird die Revaler Straße im Volksmund sogar als „Techno-Strich“ bezeichnet.

Das finde ich schon abwertend. Damit identifizieren wir uns nicht. Wir haben uns sowieso vom Rest des Geländes abgekapselt. Über die Revaler Straße gelangt man nicht mehr zum Suicide Circus, sondern nur noch über eine Treppe von der Warschauer Brücke.

Warum denn das?

Auf dem Gelände gibt es ein Problem mit Dealern. Durch den Zugang über die Treppe haben wir eine bessere Kontrolle, und unsere Gäste werden auf dem Weg hierher nicht belästigt.

Als Sie hier eröffneten, wollten Sie einen Club für Berliner machen, mit einer familiären Atmosphäre. Wie halten Sie eine gute Balance zwischen Touristen und Berlinern im Club?

Mit einer harten Tür. Wir können ja nur eine begrenzte Zahl an Leuten reinlassen und suchen uns unser Publikum aus. Besoffene Männer- oder Touristengruppen kommen nicht rein. Das ist der Vorteil von einem kleineren Laden, ich muss nicht Jeden reinlassen, um den Club zu füllen.

Sind Sie nach all den Jahren selbst noch im Clubbetrieb aktiv?

Nachts fast gar nicht mehr. Aber tagsüber. Das macht mir am meisten Spaß: Den Club weiterentwickeln, Dinge bauen, das Licht oder den Sound verändern. Ein Club bleibt ja nie so, wie er ist. Da gibt es immer etwas zu tun.

Wenn Sie zurückblicken auf den Suicide Club vor 20 Jahren, wo sehen Sie die größten Unterschiede zu heute?

Es ist jetzt wesentlich einfacher, einen vernünftigen Club zu machen, weil die Szene größer ist. Durch den EasyJet-Ansturm, der ja ein Fluch und ein Segen ist, sind viele Läden erst entstanden und groß geworden. Früher war es schwieriger, Publikum zu bekommen.

Und jetzt rennen die Feierwütigen Ihnen die Bude ein.

Vor allem im Sommer. Das hat sich übrigens auch geändert: Früher waren die Winternächte die besseren. Durch den Berlin-Hype und die Touristen hat sich das auf den Sommer verlagert.

Da heißt es dann: Geld verdienen für den Winter?

Na ja, man darf sich nicht verführen lassen: Wenn man die Leute nur noch rein- und rausgeschleust, kommt keine richtige Party zustande. Ich bin kein Fan von Club-Hopping, obwohl man mit diesen Leuten gut Geld verdienen könnte. Doch, wenn man im Sommer viele Leute nur reinlässt, um Geld zu machen, fühlen sich die Stammgäste vor den Kopf gestoßen und kommen auch im Winter nicht mehr. Da muss man aufpassen.

Das Gespräch führte Katja Hanke.

20 Jahre Suicide Circus: Samstag,19., und Sonntag, 20. April 2014, jeweils ab 23.55 Uhr. Suicide Circus, Revaler Straße 99 (Eingang über Warschauer Straße), Friedrichshain. www.suicide-berlin.com