Die Dragqueens Bambi Mercury, Jurassica Parka und Destiny Drescher.
Foto: Berliner Zeitung/Christian Schulz

BerlinSeit sie nach der Corona-Schließung das Hard Rock Cafe wieder öffnen durfte, spielt Kristina Lange ein altes Spiel unter neuen Bedingungen. Die Frau, die vor genau 16 Jahren als Chefin des Berliner Restaurants der Kette anfing und bis heute General Manager blieb, umschreibt es so: „Ich spiele Tisch- und Personal-Tetris.“ Sie will das ausdrücklich nicht als Nörgelei missverstanden wissen, man merkt ihr vielmehr an, dass sie die fast täglich wechselnden Rahmenbedingungen durch immer neue behördliche Vorgaben als anspruchsvolle Herausforderung betrachtet und gern annimmt. 

Ihre gute Laune hat bestimmt auch damit zu tun, dass sie jede Woche eine Verbesserung spürt: „Als erste Gäste nach der langen Schließzeit standen die Stammkunden vor der Tür, die auch die letzten Gäste vor der Schließung waren. Derzeit sind es überwiegend die treuen lokalen Fans und Besucher aus Nord- und Osteuropa, die zu uns kommen. Die Touristen aus Südeuropa brauchen wohl noch etwas Zeit.“ Wenn es unter den aktuellen Abstandsregeln im Restaurant an der Ecke Kurfürstendamm und Meinekestraße voll ist, dann sind 100 bis 120 Gäste da: „Das ist ein Drittel unserer Kapazität vor Corona.“

Verwaist steht die Bühne im Obergeschoss, auf der vor der Pandemie regelmäßig musiziert wurde. Konzerte und Mottopartys gibt es gerade nicht. Die Gitarren an den Wänden sind Erinnerungen an eine laute Vergangenheit. Aber wenigstens am Mittwoch zur Mittagsstunde konnte man wieder eine Ahnung davon bekommen, wie bunt es hier sonst zuging und auch wieder zugehen wird, wenn Corona endlich bezwungen sein wird: Auf der Bühne posierten die Dragqueens Bambi Mercury, Jurassica Parka und Destiny Drescher mit den Produkten der aktuellen Pride-Kollektion. 15 Prozent des Erlöses von T-Shirt, Sweatshirt, Fächer, Mütze, Pin und Tasche – alle mit Regenbogenmotiven und dem Sloagan „All is One“ – gehen an den Mercury Phoenix Trust. Der widmet sich im Andenken an den 1991 gestorbenen Queen-Sänger Freddie Mercury dem globalen Kampf gegen HIV/Aids. In den vergangenen acht Jahren sind schon etwa 2,5 Millionen Dollar durch den Verkauf der Pride-Produkte in den Hard Rock Cafes zusammengekommen.

Entertainer und DJ Bambi Mercury lobt am Engagement der Themenrestaurantkette besonders die Dauerläuferqualitäten: „Die gehören definitiv nicht zu den Firmen, die mal schnell was für die Pride-Community machen, weil es gerade in Mode geraten ist oder das Image kurzfristig aufpoliert werden muss. Die sind da schon viele Jahre ganz ernsthaft vorn mit dabei.“

Wer die ganze Kollektion erwirbt, muss dafür 153,70 Euro auf den Tisch des Hauses legen. Weil der CSD in diesem Jahr nur online und nicht wie sonst draußen auf der Straße stattfindet, wird diesmal die Kernzielgruppe der Pride-Kollektion nicht direkt in den Laden gespült. Chefin Lange muss also etwas tun, um nicht auf den Produkten für den guten Zweck sitzenzubleiben: „Wir werden unsere Gäste auf die Kollektion hinweisen.“