Berlin - Neulich habe ich nach langer Zeit mal wieder meinen alten Schulkumpel getroffen. „Mensch, wie läufst’n du rum?“, fragte ich, denn er ging etwas schief. „Ick hab Rücken!“, sagte er und erzählte von der Kiste, die er vom Regalbrett gezogen habe und die schwerer gewesen sei, als gedacht. Rumms – habe er einen Ruck im Rücken verspürt. „Ja. Voll blöd. Ick weeß“, sagte er. Ich schwieg, obwohl der Berliner für solche Situationen schöne Sprüche bereithält. Zum Beispiel: „Unjeschickt lässt grüßen!“ – „Kunden schickt det Arbeetsamt“ – „Du hast deinen Kopp ooch nur für’t Haareschneiden“ – „Wer den Schaden hat, spottet jeder Beschreibung“. „Sind’s die Bandscheiben?“, fragte ich. „Nee“, sagte er, „ick habe wohl ’ne ISG-Blockade – „Wat haste?“, fragte ich.

Im ersten Moment dachte ich an eine Militäraktion vor fremder Küste. Blockade der Internationalen Schiffs-Gewässer – ISG – oder so. Machten nicht die Amis so etwas ganz gern? ISG heiße Iliosakralgelenk, erklärte mein Schulkumpel. – „Wie, iliosakral?“, fragte ich, „das hört sich ja an wie ’ne neue Religion. He Leute, ich zahl keine Kirchensteuer mehr, ich gehöre ab jetzt zu den Iliosakralen. Wir beten Ilio an, den Obergott der Rückenschmerzen.“ – „Blödkopp!“, regte sich mein Kumpel auf. „Iliosakraljelenk. Dit sitzt hinten, unten, neben der Wirbelsäule. Da is dit Kreuzbein an’t Darmbein jeknüppert. Hat sich offenbar blockiert.“ Sein Physio-Fritze habe ihm das erklärt, sagte er. Außerdem hatte er wohl noch andere Experten konstatiert – darunter Doktor Net und Professor Google.

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