Foto: Ostkreuz/Sebastian Wells

BerlinHallo ick bin’s, euer Coronavirus. Ick lebe nun seit etwa vier Monaten in Berlin. Zeit jenuch, eure komische Sprache zu lernen. Der Typ, der hier sonst schreibt, is gleich wegjerannt, als er jehört hat, ick sei inne Nähe. Also hab ick jenuch Zeit, um meene Spike-Krönchen uff seine Tastatur tanzen zu lassen. Ick wollte nämlich schon lange mal schreiben, wat ihr für komische Typen ihr seid. So als Zwischenbilanz von meene Reise durch dit Menschenreich. Hier meene Typolojie:

Die Ängstlichen: Manno, die besprühn wirklich allet mit Desinfektions-Spree: den Einkoofswagen, de Türklinken, dit Jeld, die Kinder, den Hund. Dit macht mir aba überhaupt nischt, denn ick flieje ja durch de Luft. Tonnenweise ham se injekoooft, weil se jedacht ham, ick lauere direkt vor ihre Türe. Jetzt müssen se zu Silvesta Klopapierschlangen uffhängen und Nudeln mit Bockwurst mümmeln. Aba ohne Salz. Dit ham se nämlich abjeschafft, weil se jehört ham, det sich in München eena inne Kantine anjesteckt hat, weil sich een andrer zu ihm umjedreht und jefracht hat: „Kann ick mal dit Salz haben?“ „Salz is jefährlich!“, so lautet eure Loorik. Ihr seid wirklich reif für Corona!

Die eifrigen Beamten: Dit rot-weiße Sperrband find ick cool. Een Schnipsel hängt in meene Bude. Ick gloobe, eure eifrijen Bandbeamten haben Hunderte Kilometer davon verbastelt. Wat die in den verjangenen Monaten allet umwickelt haben: jede Kinderschaukel, jeden zweeten Boom und jeden Typen uff de Parkbank. 

Die Leugner: Die ham als Kind nie Medizini gelesen und in der Schule Biologie abgewählt. Plötzlich aber wolln se mitreden: „Dit is keene Pandemie, sondern ’ne normale Grippe!“ Haha, Beleidijung! Wozu bin ick denn so weit jereist? Aba ick kann froh sein, det dit solche Leute jibt. Da kann ick mir in Ruhe weiter ausbreiten.

Die Verschwörungsfritzen: Oh Jott, oh Jott! Um et noch mal zu sagen: Ick hab mir nie heimlich mit Bill Gates jetroffen. Ick kann die Welt janz alleene erobern. Oh, Pardon, natürlich die Erdscheibe! Und ja klar: Mit Impfen dezimiert man die Menschheit. Nich durch Krankheiten! Gloobt mal weiter dran! Dit jefällt ma!

Die Coolen: Neulich hab ick jesehn, wie janz ville junge Leute im Park jefeiert ham, weil ick anjeblich nich mehr da bin. Und een Mädel inne Bahn hatte ’n selbst jehäkelten Mundschutz um, mit große Löcher, damit man ihren Lippenstift sehn kann. Der bin ick dann gleich mal in ’n Hals jeflogen. Doof bleibt doof!

Die Virologen: Vor Drosten hab ick Angst. Der glotzt ma die janze Zeit durch sein Elektronen-Dingsbums an. Lustig find ick aber die janzen Hobby-Virologen. Neulich hab ick zwee Handwerker quasseln jehört, die gerade ’n Dach jedeckt ham. Und die ham so jeredet: „Also, weeßte, ick gloobe, wir könn’ die Inzidenz jering halten, wenn wa die Sentinels richtich durchführn.“ – „Vielleicht. Aber wat is mit de Superspreading-Ereignisse?“ – „Naja, da musste ehm ooch jenau uffpassen. Aba zum Glück is der exponentielle Anstieg ja nich einjetreten. Und bei dem mickrijen R-Wert sind wa meilenweit von de Herdenimmunität entfernt.“ – „Ja, aba vielleicht ham wa ja ooch ’n jewissen Kreuzschutz ... Autsch, fuck – ick hab ma uffn Daumen jehaun!“ Man hab ick jelacht! Hab gleich drei Krönchen verloren!