Sie sieht es aus, wenn ein Schwarzes Loch einen Stern frisst. Zumindest stellen sich Astronomen das so vor.
Bild: Nasa's Goddard Space Flight Center/TESS/Screenshot

Als Wissenschaftsredakteur schreibt man manchmal über seltsame Dinge. Neulich ging es um ein Schwarzes Loch, das irgendwo im Weltall herumschwebt und die Masse von 34 Milliarden Sonnen hat. Täglich frisst es eine neue Sonne. Der Clou ist: Das Ganze passierte in Wirklichkeit vor 12,6 Milliarden Jahren. So lange brauchte das Licht bis zu uns. Aber wir können es heute sehen mit unserer Supertechnik.

„Hör uff! Da wirste ja blöde!“, sagt mein innerer Berliner. „Wat is überhaupt so’n Schwarzet Loch?“ Ich erzähle etwas über sterbende Riesensterne, die so kompakt zusammenschrumpfen, dass ihre Anziehungskraft alles einfängt und nichts entweichen lässt, nicht mal Licht. „Jibt et ooch kleene Schwarze Löcha?“, fragt mein innerer Berliner. – „Ja, die sind nur ein paar Sonnenmassen schwer.“ – „Nee, ick meene so janz kleene, für’n Hausjebrauch.“ – „Nein, leider nicht.“

„Schade“, meint er, „ick könnte mir dit jut vorstellen. Neulich anne Wuhle zum Beispiel, wo wir spazieren jejangen sind und een Radfahrer mit Düsenantrieb vorbeijesaust is, janz knapp, jenau zwischen uns und ’ner Familie mit Kleinkind. Dem hätt’ ick jerne een kleenet Schwarzet Loch hinterherjeschickt. Fluutsch, wegjesaugt! Oder der Typ in unserm Haus, der jeden Morjen Schlachzeuch übt. Der kann keen Takt halten und hat sich seit zehn Monaten nich vabessert. Allein dit muss bestraft werden!“

Haha, ich versuche, über seriöse Wissenschaft zu reden, und mein innerer Berliner denkt sich Blödsinn aus. „Man könnte dit Schwarze Loch zum Beispiel ooch zu Trump schicken“, sagt er. Ich entgegne: „Ach, es würde wohl reichen, sein Handy wegzusaugen. Dann könnte er nicht mehr twittern.“ Vielleicht wäre es sogar gut, alle Internetserver der Welt einfach wegzusaugen. So schön es ist, emotionale Reflexe, Filmchen und Bilder in die Welt schicken zu können – aber was hat es der Menschheit wirklich gebracht?

„Und dann könnte man ooch mal quer durch die janze Stadt streifen mit so’n fernjesteuertet Schwarzet Loch“, sagt mein innerer Berliner. „Ick hab da so’n paar Ecken entdeckt, die sofort uffjesaugt werden könnten.“ Ja, ich wüsste auch so einiges. Dann fragt er: „Wat passiert eijentlich, wenn man selba in so’n Schwarzet Loch vaschwindet?“ Ich denke nach. Auf alle Fälle würde man es nicht überleben.

Blödsinn sind alle Filme, die Flüge in Schwarze Löcher zeigen, so wie „Interstellar“. Denn die Theorie sagt, dass man langgezogen würde wie ein Spaghetti – und zugleich auseinandergerissen und in einzelne Atome zerlegt. „Ooch, Jott! Dann könnte dit sein, dass man selba uffjesaugt wird, wenn man so een Ding besitzt?“ – „Das würde sogar als erstes passieren.“ – „Na, dann ist dit vielleicht doch nich so ’ne jute Idee!“ Ja, so ist er, der Angsthase. Sobald es ihn selbst erwischen könnte, macht er einen Rückzieher.

Zum Weiterlesen: Torsten Harmsen: „Der Mond ist ein Berliner. Wunderliches aus dem Hauptstadt-Kaff“, Be.bra-Verlag, 2019.