Zusammen lachen tut der Gesundheit gut.
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BerlinEt jibt jar keene richtijen Witze mehr, weil sowieso jeda über allet rumwitzelt“, hätte mein innerer Berliner noch vor wenigen Wochen gesagt. Witze haben nämlich erst dann einen echten Effekt, wenn einem das Lachen ein bisschen im Halse stecken bleibt, weil die Situation bedrückend oder sogar ernst ist. In Zeiten der Bedrohung blüht die Witzkultur, denn man will seine Angst einfach weglachen.

So wie die Berliner im Krieg, als sie heimlich witzelten: „Wir sind jetzt eine Stadt der Warenhäuser. Hier waren Häuser und da waren Häuser.“ Oder als der Flüsterwitz herumging, der Obernazi Göring wolle zu Weihnachten nackt durch Berlin laufen – damit die Berliner Bevölkerung endlich mal wieder richtigen Speck zu sehen bekommt. Dagegen ist das, was wir heute erleben, ja gar nichts.

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Und dennoch: In der Corona-Krise beobachtet man etwas, das lange nicht mehr dagewesen ist: eine Art von Galgenhumor. In den sozialen Medien schwirren sie herum, die Filmchen über das Verhalten in Heimquarantäne: wie man die Garage zum Fitness-Studio umfunktioniert (mit Wasserflaschen als Gewichten), mit welchen Tricks man sich vor den nervenden Kindern versteckt und wie man Klopapier spart (indem man jedes einzelne Blatt mit dem Namen eines Wochentags versieht.) Es gibt die besten Rezepte für Klopapier mit Nudeln. Leute basteln Masken aus BHs und Slipeinlagen.

Ein wahres musikalisches Volkskunstschaffen macht sich breit. Ach, all die begabten Italiener auf ihren Balkons! Doch nicht nur sie werden kreativ. Eine Truppe hat den Song „My Sharona“ von The Knack auf „My Corona“ umgedichtet. Die kongenial gecoverten Beatles wollen plötzlich keine Händchen mehr halten. Sie singen stattdessen: „I Gotta Wash My Hands“. Neil Diamond sitzt höchstpersönlich mit Hund und Gitarre vor dem Kamin und singt „Sweet Caroline“ mit der Zeile „Hands, washing hands“. Im Original heißt es „touching hands“. Ich frage mich: Hätte er nicht gleich den ganzen Song in „Sweet Quarantine“ umdichten können? Die Italiener hätten das wohl besser gemacht.

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Witz-Vorschläge gegen Apokalypsen-Panik

Ich habe noch weitere Vorschläge für Song-Adaptionen. Man könnte etwa das Lied „Ramona“ nehmen, 1928 geschrieben und später als Schlager bekannt geworden: „Corona, zum Abschied sag ich dir Goodbye/ Corona, ein Jahr geht doch so schnell vorbei ...“ Oder den Song „Corrine Corrina“ von Bill Haley aus dem Jahre 1958: „Ich verließ Corona weit hinterm Meer. Wenn ihr Corona seht, schickt es zu mir her!“

Und ja, auch Witze gibt es wieder. Etwa den hier: Gestern kamen zwei Leute mit Mundschutz in die Bank. Gott sei Dank war es nur ein Überfall, und wir haben uns schnell wieder beruhigt. Oder den hier: Gegen das Coronavirus helfen zwei große Knoblauchzehen täglich. Nein, nicht als Medikament. Aber sie sorgen für den Mindestabstand von zwei Metern. Oder diesen: Die Polizei verhaftet Verbrecher jetzt mit „Hände hoch oder ich niese!“ Dieser geht auch: Donald Trump prahlt am Kabinettstisch: „Ich weiß mehr über Corona als irgendwer.“ Antwort eines Ministers: „Das ist nicht die Syphilis, Sir.“

Mancher wird natürlich sagen: „Wie kann man in einer solchen Situation noch lachen und Witze machen?“ Da kann ich nur antworten: Was soll man denn sonst machen? Will man endgültig in der Apokalypsen-Panik landen? Irgendwann wird man gewiss ein dickes Buch über den Corona-Humor veröffentlichen. Und dieses Irgendwann kommt. Ganz sicher.