Berlin - Wie kommen Tiere eigentlich zu ihren oft seltsamen Namen? Bei der Eisbärin Hertha im Tierpark haben wir es live mitverfolgen können. Sie heißt so, weil sich der Fußballclub gleichen Namens mit seiner Bewerbung als Pate durchsetzte. Der Schwan bei mir um die Ecke dagegen heißt Günter. Er kam zu dieser Ehre, weil er sich nicht wie ein normaler Schwan verhielt. Er fiel dadurch auf, dass er im Winter tagelang mitten auf dem Gehweg neben unserem Flüsschen lag. Irgendwann pappte jemand die Nachricht an den Baum, dass er Günter heiße und mit gekochten Kartoffeln gefüttert werden sollte. Heute lebt er immer noch am Ufer. Nichts stört ihn – kein Mensch, kein Hund, kein Fahrrad. Und in dieser Woche erst haben wir über die Ente Uschi geschrieben. Die Stockente brütet bereits im dritten Jahr auf dem Balkon einer Leserin, von der sie auch den Namen bekam – „weil, fand ick toll“, so die Leserin.

Nehmen wir mal an, Uschi, Hertha und Günter kämen zusammen, um über ihre Namen zu diskutieren. Uschi hat vielleicht über ihre Nähe zum Menschen Zugang zum Internet bekommen und ist ein Ur-Berliner Wundertier, das beim stundenlangen Hocken auf den Eiern über die Welt nachdenkt. Ich finde solche Geschichten toll. Viele alte Fabeln und Sagen beruhen darauf. „Jüntaaa!“, ruft die Ente Uschi und reckt ihren Schnabel in Richtung Schwan, „wie kann man nur Jüntaaa heißen?“ Sie erklärt, der Name komme von „Gundheri“. Im Germanischen bedeute „gund“ Kampf und „heri“ Heer, und Kampfheer sei eben kein Name für einen Schwan. „Meen hübscher Langhals-Dschigolo“, schnattert die Ente, „ick würde dir nich Jünta nennen, sondern vielleicht Ciggi.

Uff Lateinisch heißt der Schwan nämlich Cygnus, nag, nag.“ Ich muss Uschi recht geben. Denn was tun wir Menschen? Wir entscheiden ganz willkürlich, ohne die Zusammenhänge zu bedenken. Früher nannten die Berliner zum Beispiel einen berühmten Zoo-Elefanten Mampe – nach einer Schnapsfirma.

Ich wünsche niemandem, in die Nähe eines besoffenen Elefanten zu geraten. Und welches Selbstwertgefühl sollen Flusspferde entwickeln, die man Knautschke, Schwabbel und Bulette ruft? Sicher würden Tiere den Menschen gleich viel passendere Namen geben.

Ente Uschi über Name des Eisbärenmädchens: „Hertha? Dit is ja jar keen richtijer Name. Korrekt hieße dit Nertha"

„Kiek ma, da kommt Plattfuß-Dickwanst, der uns immer die Nester kaputtmacht.“ – „Ach, Goldhändchen ist wieder da. Sie stellt uns im Winter immer das Futterhäuschen auf.“ „He, du weißer Flauschtapsi“, schnattert die Ente weiter, diesmal in Richtung des armen Eisbärenmädchens. „Hertha? Dit is ja jar keen richtijer Name. Korrekt hieße dit Nertha. Wie ick jehört habe, is Hertha überhaupt erst entstanden, weil irjendeen Bekloppta vor mehr als hundert Jahren den Namen vom Jermanenjott Nerthus falsch jelesen hat.“ Die Ente Uschi flattert umher. „Und außadem, nag, nag. Eijentlich müsstest ja du Uschi heißen und nich icke! Uschi is nämlich die Koseform von Ursula, wat kleene Bärin heißt. Ick dajejen müsste Anna heißen, denn mein lateinischer Name lautet Anas platyrhynchos, dette’t mal weeßt, nag, nag“.

Noch eines wurmt die Ente. Dass sie genau so heißt wie eine Ente Uschi aus Düsseldorf, über die man im Internet lesen kann. „Die hat sich nämlich im Nest jeirrt und Jänseküken ausjebrütet statt ihre eijenen. So wat blödet. Wahrscheinlich hatte se jrade de Brille nich uff, nag-nag. Dit kann mir uff meen Balkon nich passiern.“