Berlin - Heute bin ich leider nicht in der Lage zu schreiben. Ich muss einen Schnaps trinken und mich hinlegen. Deshalb übernimmt jetzt mal der treueste Begleiter, den ich habe: mein innerer Berliner. Los geht’s: „Hallo, hier spreche icke, dit Dubel von dem Typen, der hier sonst immer allet vollschreibt. Er kann leider nich, weil er fast in Ohmacht jefalln is und erst mal örtlich japsen muss. Es hat nämlich Uffrejung jejehm, weil wa beede fast übafahrn wurden. Und zwar bei uns anne Kreuzung von een Typen, der jedacht hat: In jedem Rot is imma ooch ’n bisschen Grün. Der kam mit seine Karre jerade noch zum Stehn.

Wir wollten schon wie ne Rakete hochjehn, dem uffs Dach hopsen, de Kühlerhaube eintreten und den Spiejel abdrehn. Also janz normal reagiern. Aba denn ham wa uns an den schönen Spruch erinnert: Nich ärjern, nur wundern! Ham dem Typen ’n Voorel jezeicht und sind einfach weiterjejangen. Berliner Toleranz bedeutet ja ooch, sich nich uffzurejen. Wenn et danach jeht, sind det allet jar keene richtjen Berliner hier. Wenn de zum Beispiel bei manch een Radfahrer nich schnell jenuch aus’m Weg springst, wirste rund jemacht wie’n Buslenka. Meen Rat, ooch für ’n Blutdruck: Nich ärjern, nur wundern!

Berlin – die freieste Stadt vonne Welt, wo se alle hinkomm und jeda nach seine Fassong glücklich wird? Wo hab ick’n dit jelesen? Schön wärt. Da kann meinetwejen eena halbnackt durch de Jejend loofen, im Tanga mit Platooschuhe oder als Yeti vakleidet. Da kiek ick hin und freu ma und sache: Dit is Berlin! Aber neulich hab ick in Wald bei uns um de Ecke ’ne janze Sofa-Jarnitur rumliejen jesehn. Und ick weeß jenau: Da hat ’n Typ oda ’ne Typin extra det Auto beladen, is in Wald jefahren und hat det Zeuch da entsorcht, statt zum Sperrmüllplatz zu fahren. Der denkt vielleicht: Ej, jetz könn die Wildschweine mal so richtig schön jemütlich Fernsehn kieken.

Komm oder mit ’ne Drohne

Oder die Typen, die janze Kartongs in Papiermüll-Conteena schmeißen, nicht zusammjedrückt, nee, mit zwee Kubikmeta Luft drin. Drei so ’ne Kisten und der Conteena is voll. Die denken jar nich erst nach! Oder inne Bahn: Da kann et voll sein wie sonstwat – imma wird da noch eena rumlümmeln, den Rucksack uffm Nachbarsitz jeparkt. Der denkt jar nich dran, detta vielleicht noch eena sitzen will.

Oder neulich: Da warn wa uff’n Fest inne Nähe von Berlin jewesen. Und da hamwa erst jar keen Parkplatz jekricht, obwohl jenuch Platz war. Und weeßte, warum? Weil die Leute so nebeneinanda jeparkt ham, det fast ’n janzer Wagen zwischenjepasst hätte. Aba eben nur fast. Manche standen ooch schräch. Jeda so, wie et jerade kam. Hauptsache icke! Schön wärt, jeda würde sich een bissken in den andern rindenken. Klar: Wenn de Autofahrer bist, musste uff de Tube drücken, um anne Kreuzung noch rumzukomm.

Wenn de Radfahra bist, fluchste, weil jemand den Radwech zujeparkt hat. Wenn de Fußjänga bist, fasste dir an Kopp wejen de kurzen Jrünphasen. Und zwischen allen eiern neuerdings ooch noch die E-Roller-Fritzen rum, wie kleene Affen uff’m Büjelbrett. Et dauert nich lange, da wern se mit’m Flugbrett anjesegelt komm oder mit ’ne Drohne. Denn musste andauernd ’n Kopp einziehn, wenn de inkoofen jehst. Aber wie jesacht: Nich ärjern, nur wundern!“

Zum Weiterlesen: Torsten Harmsen: Neulich in Berlin – Kurioses aus dem Hauptstadt-Kaff, be.bra verlag, Berlin 2018, 14 Euro, 224 Seiten.