Die Lebensgut-Immobilienfirmen sind im brandenburgischen Zossen registriert. 
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BerlinAls Reaktion auf die Enthüllungen der Berliner Zeitung über die Hintergründe der Immobiliengruppe Lebensgut fordert die Bundestagsabgeordnete Lisa Paus (Grüne) Nachbesserungen bei den Transparenzpflichten von Unternehmen: „Der Fall bestätigt, wie wichtig es ist, dass das Transparenzregister öffentlich ist, aber auch, dass es noch nicht funktioniert, und dass eine Kontrolle nicht stattfindet.“

Die Berliner Zeitung hat aufgedeckt, dass das Lebensgut-Geflecht mit knapp 30 Immobiliengesellschaften zur Unternehmensgruppe von Berlins führendem Wohnungsverkäufer Nikolaus Ziegert gehört.

Im Transparenzregister war Ziegert aber bislang nicht als wirtschaftlich Berechtigter eingetragen, was einen Verstoß gegen das Geldwäschegesetz darstellt. Stattdessen war ein Anwalt erfasst, der als Treuhänder agiert, so zumindest noch auf einem wenige Wochen alten Auszug.

Die Ziegert Group teilt mit, die ursprüngliche Meldung habe der bisherigen Gesetzeslage entsprochen: „Die Ziegert Group hat es leider in den ersten zwei Monaten des Jahres 2020 versäumt, den Eintrag rechtzeitig zu aktualisieren. Dies ist mittlerweile geschehen.“

"Uns fehlt eine übersichtliche Datenlage"

Lisa Paus hält dies Versäumnis für „keine Bagatelle“; die Eigentumsverhältnisse seien „bewusst verschleiert“ worden. Auch Cansel Kiziltepe, Bundestagsabgeordnete aus Friedrichshain-Kreuzberg (SPD), kritisiert das anonyme Firmenkonstrukt scharf: „Mich hat es überrascht, weil Ziegert in Berlin sehr umtriebig ist und einige Häuser in meinem Wahlkreis betroffen sind“, sagt sie. „Mir zeigt das, dass wir im Immobilienbereich noch immer eine sehr große Intransparenz haben. Uns fehlt eine übersichtliche Datenlage – die brauchen wir in Deutschland.“

Hält den Fall sicherlich für keine Bagatelle: Lisa Paus.
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Unabhängig von dem Fall verweist sie darauf, dass mit dem Mangel an Transparenz allgemein ein hohes Geldwäscherisiko einhergehe. Um dieses zu mindern, bestehe politischer Handlungsbedarf.

Auch auf Landesebene wird das Thema diskutiert. Katrin Schmidberger, Mitglied des Berliner Abgeordnetenhauses (Grüne), fordert in dem Zusammenhang eine öffentliche Debatte über die Frage, welche Investitionen der Allgemeinheit wirklich nutzen.

„Ich finde es extrem dreist, dass jemand, der sich öffentlich als ehrenwerter Geschäftsmann hinstellt und für nachhaltige Stadtentwicklung eintritt, seine Identität verschleiert, und so sein Geschäftsmodell der Aufteilung von Mietshäusern und Umwandlung in Eigentumswohnungen weiter betreibt.“ Dieses sei inzwischen der „Hauptverdrängungsmotor“ in vielen Bezirken Berlins.

Die Ziegert-Group teilt mit, die Treuhänder-Struktur sei gewählt worden, um „Wettbewerbsnachteile“ beim Ankauf von Immobilien aufgrund von Ziegerts prominentem Namen zu vermeiden. Die Gruppe sei aber dabei, ihre Projekte „mit Investoren und Partnern“ in einem eigenen Geschäftsfeld zu bündeln.

Aus dem letzten Absatz ist in der aktuellen Fassung des Texts das Adjektiv "unübersichtlich" in Bezug auf die Struktur gestrichen worden, um den Eindruck zu vermeiden, die Ziegert-Group habe diesen Begriff benutzt. Dies war nicht der Fall.