Harte Zeiten für Bahnfahrgäste: Diese Strecken nach Berlin werden gesperrt

Schienenersatzverkehr, Ausfälle, Umleitungen: 2023 stehen in der Region 1400 Schienenbauprojekte an. Jetzt erläuterte die DB, wo und wann sie stattfinden.

Bauarbeiter im Berliner S-Bahn-Tunnel. Die Nord-Süd-Verbindung ist wegen Sanierungsarbeiten gesperrt. Bis zum 27. Februar müssen Fahrgäste auf Busse oder anderen Routen ausweichen.
Bauarbeiter im Berliner S-Bahn-Tunnel. Die Nord-Süd-Verbindung ist wegen Sanierungsarbeiten gesperrt. Bis zum 27. Februar müssen Fahrgäste auf Busse oder anderen Routen ausweichen.Markus Wächter/Berliner Zeitung

So kann man es auch formulieren. „Bevor es besser wird, muss es erst mal schlimmer werden“, sagte Alexander Kaczmarek von der Deutschen Bahn (DB). Mit rund 1400 Projekten, die insgesamt rund eine Milliarde Euro kosten, wird in der Region 2023 das Schienennetz erneuert. Am Montag informierte der Bahn-Konzernbevollmächtigte für den Nordosten Deutschlands darüber, wo Fahrgäste in Berlin und Brandenburg mit Sperrungen sowie anderen Einschränkungen rechnen müssen. Ein Ende ist nicht in Sicht: Auf der Stadtbahn im Zentrum von Berlin soll es jährlich feste Sperrpausen geben. Und 2025 stehen wieder einmal längere Bauarbeiten auf der Strecke nach Hamburg an.

Berlin Ostbahnhof–Berlin Hauptbahnhof: Zwar ist die Betonkonstruktion, auf der die Gleise ruhen, nicht mal 30 Jahre alt. Doch weil die Stadtbahn eine stark belastete Trasse ist, muss die dortige feste Fahrbahn nun saniert werden. Die Arbeiten beginnen an rund tausend Befestigungspunkten auf dem östlichen Abschnitt. Er wird vom 11. bis 25. Mai sowie vom 9. Juni bis 1. Juli 2023 für Fern- und Regionalzüge gesperrt. Fahrgäste müssen sich auf Umleitungen, andere Haltebahnhöfe und Ausfälle einrichten. „Die S-Bahn fährt weiter“, so Kaczmarek. Wie im S-Bahn-Tunnel, der jedes Jahr im Winter gesperrt wird, soll es auch auf der Stadtbahn jährliche „Wartungsfenster“ geben, auf die sich die Fahrgäste einstellen können. Darüber möchte die DB nun mit dem Land Berlin sprechen.

Berlin–Eberswalde: Auf der Stettiner Bahn werden mehrere alte Brücken abgerissen und neu gebaut. „Das führt auch dieses Jahr immer wieder zu Totalsperrungen“, bedauert der Bahnmanager. So ist im Juni, Juli und Dezember 2023 auf dem Abschnitt zwischen Berlin und Bernau tageweise kein Verkehr möglich, Mitte Juni und November reicht die Sperrung an mehreren Tagen bis Eberswalde. Fernzüge werden über Neustrelitz umgeleitet, Regionalzugnutzer müssen Bus fahren. Weil bis 2024 generell nur eingleisiger Zugbetrieb möglich ist, kann die Regionalbahnlinie RB24 auf diesem Abschnitt nicht verkehren. „Unerfreulich, aber nicht zu ändern“, sagte Kaczmarek.

Angermünde–Pasewalk: Auf der Hauptstrecke zwischen Berlin und Stralsund, die im Sommer von Ostseetouristen stark genutzt wird, finden auch weiter nördlich Bauarbeiten statt. Gleise, Bahnsteige und Bahnsteigdächer werden erneuert, um nur einige Beispiele zu nennen. Vom 24. Februar bis 30. Oktober 2023 müssen die Reisenden auf diesem Abschnitt mit eingleisigem Betrieb und zeitweisen Vollsperrungen rechnen.

Angermünde–Szczecin (Stettin): Wo heute noch Dieseltriebwagen über ausgefahrene Gleise schleichen, sollen künftig Elektrozüge im Stundentakt mit Tempo 160 in die polnische Hafenstadt rollen. Doch damit das möglich ist, muss die Trasse zunächst saniert, auf zwei Gleise erweitert und durchgehend elektrifiziert werden. Schon jetzt müssen Reisende oft mit Schienenersatzverkehr, kurz SEV, vorliebnehmen. Dabei bleibt es bis 2024, so Kaczmarek. „Ende 2025 soll die neue Strecke in einer zunächst noch reduzierten Variante in Betrieb gehen. 2026 ist sie dann insgesamt fertig.“

Oderbrücke nach Küstrin wird später fertig

Küstrin-Kietz–Kostrzyn (Küstrin): Die zuletzt am stärksten frequentierte Bahnverbindung zwischen Deutschland und Polen ist seit 2021 unterbrochen, und dabei wird es länger als geplant bleiben. Denn das Vorhaben, die Oderbrücke als Hightech-Bauwerk mit Tragseilen aus Karbon neu entstehen zu lassen, zieht sich hin. „Es wird die schönste Brücke weit und breit sein. Doch wie immer bei innovativen Projekten gilt: Der Erste, der es realisiert, muss Lehrgeld zahlen“, sagte der Konzernbevollmächtigte. Hieß es zuletzt, dass die Züge der Regionalbahnlinie RB26 ab Mai 2023 wieder über Küstrin-Kietz hinaus nach Kostrzyn fahren können, soll dieser Abschnitt der Ostbahn nun erst zum Fahrplanwechsel im Dezember 2023 fertig sein. So lange ist die Stadt in Polen nur mit Kleinbussen erreichbar – für große Busse ist die Oderbrücke leider zu schwach.

Ahrensfelde–Werneuchen: Auch auf der Wriezener Bahn müssen sich Reisende auf Schienenersatzverkehr einstellen. Weil im Bahnhof Blumberg der Mittelbahnsteig neu errichtet wird, ist eine Vollsperrung erforderlich. Die Linie RB25 ist vom 4. bis 28. August 2023 unterbrochen.

Berlin Ostbahnhof–Erkner–Fürstenwalde: Auf der Frankfurter Bahn müssen Fahrgäste schon seit Jahrzehnten immer wieder ausgedünnte Fahrpläne, Umleitungen und SEV einkalkulieren. Das wird in diesem Jahr leider nicht anders sein, sagte Kaczmarek. Wieder gibt es viele Gründe: Die Brücke über die A10 bekommt Korrosionsschutz, Gleise und Bahnübergänge werden erneuert, die Erweiterung des Bahnhofs Köpenick wird vorbereitet. Auftakt wird eine Sperrung zwischen dem 24. März und dem 21. April 2023 sein. Fernzüge müssen einen weiten Umweg via Cottbus fahren. Doch der Ausbau ist unabdingbar: Die Zahl der jährlichen Zugfahrten ist von 45.000 auf 55.000 gestiegen. Die Ostbahn werde zur Entlastung dringend benötigt, so der Bahn-Manager. Doch der Bund will sich nicht am Ausbau und der Elektrifizierung beteiligen.

Neuer Name für den alten Schönefelder Flughafenbahnhof

Frankfurt (Oder)–Müllrose: Die Regionalbahnlinie RB36 östlich von Berlin, bei Ausflüglern beliebt, ist ebenfalls von einer Vollsperrung betroffen. Wegen Brückenbauarbeiten und der Sanierung des Bahnsteigs im Haltepunkt Helenesee ist vom 19. Mai bis 17. September 2023 kein Zugverkehr möglich. Alternative: SEV mit Bussen.

Berlin-Schöneweide–Ludwigsfelde: Die Arbeiten am Grünauer Kreuz, dem zu DDR-Zeiten gebauten Knotenpunkt im Südosten Berlins, gehen weiter. Das betrifft mit der RB24 und der RB32 auch zwei Regionalbahnlinien in Richtung Schönefeld. Vom 8. bis 25. November sind eingleisiger Zugbetrieb und Vollsperrungen eingeplant, kündigte Alexander Kaczmarek an. Dann könnte der Bahnhof Flughafen BER Terminal 5 schon einen neuen Namen haben. Weil im früheren Schönefelder Flughafengebäude keine Linienpassagiere mehr abgefertigt werden, soll der Bahnhof umbenannt werden. Die Ortsbezeichnung Schönefeld wird künftig wieder darin vorkommen, hieß es.

Berlin-Charlottenburg–Griebnitzsee, Potsdam Rehbrücke–Bad Belzig: Nutzer der Regionalexpresslinie RE7 müssen erneut tapfer sein. Die Wetzlarer Bahn, auf der die Elektrozüge verkehren, ist an zwei Stellen von eingleisigem Betrieb und zeitweisen Totalsperrungen betroffen. Zum einen stehen auf dem Berliner Abschnitt zwischen dem 4. August und dem 8. Dezember 2023 Gleisarbeiten und die Erhöhung der Bahnsteige in Wannsee an. Das betrifft auch die Linien RE1, RB23, RB37 und den Fernverkehr in diesem Bereich. Zum anderen werden auch auf einem Teilstück im Landkreis Potsdam-Mittelmark Gleise erneuert – und zwar vom 21. April bis 9. Dezember 2023.

Berlin-Südkreuz/BER–Wünsdorf-Waldstadt/Baruth: Damit die Bahnreisezeit zwischen Berlin und Dresden ab 2029 wie angekündigt auf rund 80 Minuten schrumpfen kann, stehen auf der Dresdner Bahn weitere Arbeiten an. Wie angekündigt wird der Abschnitt südlich von Berlin vom 21. April bis 10. November 2023 voll gesperrt. Für regionale Reisende wird SEV eingerichtet, Fernzüge fahren über Jüterbog. Allerdings wird der Fahrplan zwischen Berlin und Dresden stark ausgedünnt. Das Angebot wird fast halbiert.