Berlin - Pendlern stehen im Osten Berlins unangenehme Wochen bevor. Am Freitagabend wird der S-Bahn-Verkehr auf der Linie S5 zwischen Friedrichsfelde Ost und Strausberg Nord eingestellt. Stattdessen fahren Busse im Schienenersatzverkehr – ein SEV der Superlative mit einer Fahrstrecke von rund 30 Kilometern. Erst am 1. Februar, nach etwas mehr als drei Wochen, wird der S-Bahn-Betrieb nach Strausberg Nord wieder aufgenommen.

Jan Lehmann von der SPD Marzahn-Hellersdorf ist besorgt. Er befürchtet, dass die Straßen, auf denen die Ersatzbusse fahren, zum Nadelöhr werden. „Es ist kein Geheimnis, dass die Bundesstraße B1/B5 bereits jetzt in den frühen Morgenstunden und zum Feierabendverkehr hoch belastet ist“, sagt er. „Die Leute stehen im Stau“ – und das droht auch den Fahrgästen, die in den SEV-Bussen sitzen.

Laut Fahrplan wird eine Fahrt von Friedrichsfelde Ost nach Strausberg Nord tagsüber 71 Minuten dauern, die S-Bahn braucht derzeit nur 41. Ein weiteres Beispiel: Wer in Petershagen Nord aussteigt, ist mit dem Bus 43 Minuten unterwegs, die S-Bahn schafft die Strecke in 26 Minuten. 

Wunsch nach einer Busspur abgelehnt

Sonderfahrstreifen für Busse können dazu beitragen, den Betrieb zu beschleunigen und zuverlässiger zu machen. Der SPD-Politiker Lehmann hatte „Pop-up-Busspuren“ gefordert, damit die SEV-Busse vorankommen. Doch der Wunsch wird nicht erfüllt. „Die S-Bahn hat eine Busspur angefragt, das wurde jedoch abgelehnt“, teilte eine Bahnsprecherin auf Anfrage mit.

Immerhin: Der auf dem Nachbargleis verlaufende Regionalbahnverkehr ist von der S-Bahn-Sperrung nicht betroffen, er wird sogar vom 11 Januar an noch verstärkt. Montags bis freitags ergänzen täglich acht Zugfahrten pro Richtung das reguläre Angebot. Die Zusatzzüge halten in Lichtenberg, Mahlsdorf und Strausberg.

Im Lauf der Zeit wird der gesperrte S-Bahn-Abschnitt nach Strausberg Nord später verkürzt: Vom 24. Januar an beginnt er in Mahlsdorf, zwei Tage später erst in Hoppegarten. Doch auch dann werden viele Menschen, die auf den Nahverkehr angewiesen sind, längere Reisezeiten in Kauf nehmen und zusätzlich umsteigen müssen.

Doch DB Netz sieht keine Alternative. Bei der Inbetriebnahme von Stellwerkstechnik müsse stets der gesamte Abschnitt gesperrt werden, erklärte ein Bahnsprecher. „Auch benachbarte Streckenabschnitte können davon betroffen sein“ – und so müssen am vorletzten Januar-Wochenende auch Fahrgäste der S7 und S75 auf Busse umsteigen. „Um einen sicheren und verlässlichen Betrieb zu gewährleisten, wird die neue Sicherungstechnik auf dem gesamten Abschnitt ausgiebig getestet“, so der Sprecher weiter. „Daraus ergeben sich die langen SEV-Abschnitte.“

In diesem Jahr wird es bei der S-Bahn auch auf der S3 zwischen Friedrichshagen und Erkner Bauarbeiten geben – vom 7. Juni bis 9. August. Zwischen dem 25. Juni und dem 9. August stehen auf der S5 erneut Sperrungen an, dann aber lediglich zwischen Strausberg und Strausberg Nord. Auf den Linien S2, S25 und S26 müssen Fahrgäste ebenfalls mit Unterbrechungen rechnen.