Wer wenig verdient, hat Anspruch auf Wohngeld. Doch die Zahl der Wohngeldempfänger ist in Berlin in den vergangenen fünf Jahren trotz steigender Mieten gesunken. Das geht aus der Antwort der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen auf eine Anfrage der Abgeordneten Gaby Gottwald (Linke) hervor, die der Berliner Zeitung vorliegt.

Während es im Jahr 2011 noch 34.684 Haushalte gab, die Wohngeld erhielten, sank die Zahl bis zum Jahr 2015 auf 17.285. Durch die Wohngeldreform im vergangenen Jahr stieg die Zahl der Wohngeldempfänger im Jahr 2016 zwar auf 24.677 an, doch waren das immer noch rund 10.000 weniger als noch fünf Jahre zuvor.

149 Euro im Monat 

„Die Daten zeigen, dass die Wohngeldreform im vergangenen Jahr nicht weit genug ging“, sagt Gaby Gottwald. Hinzu komme, dass das Wohngeld noch zu niedrig sei und daher wenig Schutz vor einem Abfall in Hartz IV oder Sozialhilfe biete. „Das Wohngeld verfehlt dadurch seine Funktion, vor dem sozialen Absturz zu schützen“, kritisiert die Abgeordnete.

In Berlin bekamen die Wohngeldempfänger im vergangenen Jahr im Schnitt einen Zuschuss von 149 Euro im Monat zur Miete. Das war weniger, als bundesweit im Schnitt mit 157 Euro gezahlt wurde. Kein Wunder, denn Berlin ist von sechs möglichen Mietenstufen nur in die mittlere Stufe 4 eingruppiert.

So wie Erlangen, Nürnberg und Bad Reichenhall. Andere Großstädte wie Düsseldorf, Köln, Stuttgart, München und Hamburg sind dagegen alle der höchsten Mietenstufe 6 zugeordnet, in der eine höhere Miete und ein höheres Einkommen berücksichtigt werden. 

Mietbelastung höher als Stuttgart

Dabei ist die Mietbelastung in Berlin im Vergleich der 77 deutschen Großstädte überdurchschnittlich hoch, wie erst jüngst eine Studie im Auftrag der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung ergab. Während die Bewohner in den 77 Städten 26,8 Prozent ihres Einkommens für die Miete ohne Heizung und Warmwasser aufzubringen haben, müssen die Berliner bereits 27,2 Prozent dafür zahlen.

Die Mietbelastung in der Hauptstadt ist damit höher als in Stuttgart (27 Prozent). Zwar sind die Mieten in Stuttgart höher als in Berlin, doch wegen der niedrigeren Einkommen in Berlin ergibt sich eine höhere Belastung der Bewohner der Hauptstadt.

Nur geringfügig höher als in Berlin liegt die Mietbelastung mit 28 Prozent in Frankfurt am Main, in München (28,3 Prozent), Hamburg (28,6 Prozent) und Köln (29,3 Prozent). Besonders Ältere sind in Berlin auf Wohngeld angewiesen. Von den 24.677 Wohngeldempfängern waren 7526 Erwerbspersonen und 13.386 Rentner und Pensionäre.