Ein Jahr noch, dann soll es endlich so weit sein. Ein Jahr noch, dann könnte der Flughafen BER fertig sein – wenn alles klappt. Bis Ende August 2018 sollen alle Arbeiten und Sachverständigenprüfungen, die noch nötig sind, abgeschlossen werden. So steht es in dem neuen Terminplan, den die Flughafengesellschaft FBB am Donnerstag mit Vertragspartnern festgelegt hat. Damit gibt es erstmals seit Langem wieder eine zeitliche Vorgabe für den BER. Doch bis die ersten Fluggäste einchecken können, wird  es noch dauern.  2019 könnte es so weit sein – falls nicht  weitere Probleme auftauchen. Ursprünglich sollte der BER 2011 öffnen.

Fertigstellung bis zum 31. August 2018: Das ist nicht der erste Termin, der zu dem milliardenschweren Schönefelder Pannenprojekt mitgeteilt worden ist. Diesmal wurde zudem nur ein halber Termin verkündet. Denn wann der Flughafen nach weiteren Technikprüfungen und einem großen Praxistest eröffnet wird, lässt Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup weiterhin offen. „Die FBB wird in diesem Jahr den Inbetriebnahmetermin benennen“, sagte er. Im November oder Dezember 2017 werde der Zeitpunkt mitgeteilt, hieß es in Aufsichtsratskreisen. So lange dauert die Ungewissheit an.

So viel steht fest: In den vergangenen Monaten haben sich weitere Verzögerungen ergeben. Im Vergleich zu dem Terminplan, den Lütke Daldrups Vorgänger Karsten Mühlenfeld im Juni 2016 vorgelegt hat, liegt das Projekt um mehr als ein Jahr hinter den Vorgaben zurück. Der damalige Plan sah vor, dass der Flugbetrieb Ende 2017 beginnt. Gemessen an früheren Planungen unter Mühlenfeld ist das Projekt sogar um mehr als anderthalb Jahre in Verzog.

Tausend Komparsen mit Fake-Tickets und Koffern

So gesehen, wird es also auf jeden Fall 2019. Einiges spricht zudem dafür, dass die Inbetriebnahme frühestens im Sommer 2019 möglich sein wird – wenn es denn bei 2019 bleibt. Denn nach der baulichen Fertigstellung steht eine weitere wichtige Phase an, die diverse Überraschungen bieten könnte: Im September 2018 sollen die so genannten Wirk- und -Prinzip-Prüfungen beginnen. Dabei geht es nicht nur darum, ob die rund 1800 technischen Anlagen im Terminal für sich genommen funktionieren, auch das Zusammenspiel muss klappen. Es geht um Brandschutztechnik, ansteuerbare Türen, Sicherheitsbeleuchtungen und vieles mehr auf 320.000 Quadratmetern.

„Diese Prüfungen werden noch sehr spannend“, sagte ein Aufsichtsratsmitglied. Gut möglich, dass die Technik im Oktober 2018 geprüft und abgenommen worden ist. Es kann aber auch sein, dass nachgearbeitet werden muss – das kann dauern.

Selbst dann darf der Flughafen noch nicht für die Passagiere geöffnet werden. Verbundtests für betriebliche Prozesse schließen sich an. Danach werden mehrere tausend Komparsen mit Fake-Tickets und Koffern das BER-Terminal bevölkern, um den künftigen Flughafenalltag zu simulieren. Beim Probebetrieb mit der Bezeichnung ORAT („Operational Readiness and Airport Transfer) sollen alle Abläufe getestet und Schwachstellen entdeckt werden. Er soll fünf bis sieben Monate dauern. Alles in Allem dürfte nach der baulichen Fertigstellung mindestens ein Jahr vergehen, bis der BER in Betrieb gehen kann.

Seit März 2017 ist der Stadtplaner Engelbert Lütke Daldrup, bis dahin Staatssekretär und Flughafenkoordinator in der Senatskanzlei, Chef der Berliner Flughäfen. Kurz darauf wurde damit begonnen, den neuen Terminplan zu erarbeiten. Anders als bisher sollte der Plan nicht von oben nach unten verordnet, sondern zusammen mit Firmen und anderen Projektbeteiligten erarbeitet werden. Jede Arbeit, die noch zu leisten ist, jede Sachverständigenprüfung ist darin vermerkt – insgesamt 1800 Punkte mit 15.000 Vorgängen. Ob Bosch, Siemens, T-Systems, Caverion und die anderen Firmen den Rahmen- und Steuerungs-Terminplan einhalten, soll eng überwacht werden. Für die Firmen gibt es Anreize, zügig zu arbeiten – Belohnungen, aber auch Strafzahlungen.

„Mission Impossible“

„Zu den letzten Jahren rund um den BER haben alle Berlinerinnen und Berliner eine klare Meinung, die teile ich. Es hilft aber nichts: Wir müssen da weiter dran bleiben“, sagte der Grünen-Politiker Stefan Gelbhaar. „Doch zum ersten Mal ist ein Bausachverständiger im Aufsichtsrat. Das war uns Bündnisgrünen wichtig und das haben wir auch durchgesetzt. Der BER muss endlich fertig werden.“

Skeptisch äußerte sich dagegen der FDP-Fraktionschef Sebastian Czaja. „Die Erfahrung lehrt: Wer von einer BER-Eröffnung Ende 2019 spricht, der wird dieses Datum revidieren. Anstatt eines glaubhaften Termins präsentiert Lütke Daldrup mal wieder für Michael Müller eine Mission Impossible“, sagte er. Der BER sei falsch konzipiert, er werde eine Baustelle mit Problemen bleiben.