Pampig auf Nettigkeiten reagieren, unfreundlich rumpoltern, patzige Antworten geben, niemals lächeln, stets auf Angriff gepolt sein: Das ist die DNA der Berliner , egal ob aus Ost oder West. Als ich (geborene Berlinerin) Mitte der 1980er Jahre nach Hamburg zog, beneideten mich westdeutsch sozialisierte Kollegen um die Verbesserung meiner Lebensqualität durch den Ortswechsel.

„Die Leute sind da so freundlich. Stell Dir vor, selbst bei Bäcker ist es normal, sich einen schönen Tag zu wünschen.“ Ich genoss den freundlichen zurückhaltenden Ton der Hanseaten und lächelte großzügig bei Heimatbesuchen über Berlinische Ruppigkeit hinweg.

„Hamwa nich“

Einige Jahre später, 1990 kurz nach der Wende, erzählten mir meine inzwischen nach Dresden verzogenen Hamburger Freunde, dass die Leute dort so nett und herzlich seien. Sie hatten recht, wie ich nach meinem Umzug ins Elb-Florenz erfuhr. Dort brachte mich die Polizei nach einem Unfall sogar nach Hause. „Sie stehen doch unter Schock. Wir wollen sicher sein, dass Sie gut ankommen.“

Zurück in Berlin im gleichen Jahr trat sofort Ernüchterung ein. Im Supermarkt erwiderte die Käseverkäuferin auf meinem Wunsch nach geriebenem Parmesan mit einem „Wieso denn ditte? Hamwa nich.“

Bitte nicht meckern

Inzwischen hat sich durch zahlreiche Einwanderer aus besser erzogenen Ländern das Erbgut der Stadt verändert. Im M48 zwitschert der Busfahrer liebevoll: „Bitte sein Sie doch so nett und treten von den Türen zurück. Sonst schließen sie nicht und wir wollen doch alle bald weiterfahren, nicht wahr?“

Der Handwerker, der das verstopfte Ablaufsieb des Balkons reinigen sollte, schreibt eine SMS, die mich selig lächelnd macht – wohlgemerkt, wir kennen uns nicht: „Ich habe heute voll verschlafen :( Das wollte ich nicht und es tut mir sehr leid. Ich werde mich jetzt ganz nach Ihnen richten, egal wann, ich versuche es so einzurichten. Bitte nicht meckern. Ganz liebe Grüße.“
Hauptstadt der Herzen, Du machst mich happy!