Berlin - Während die Verantwortlichen für den Flughafen Berlin-Brandenburg sich noch die Köpfe über einen Eröffnungstermin zerbrechen, denkt die Berliner Wirtschaft schon an den nächsten Schritt. Angesichts des wachsenden Flugverkehrs und erwarteter Engpässe müsse der BER möglichst rasch erweitert werden, schlug die Industrie- und Handelskammer (IHK) am Donnerstag vor. Der Um- und Ausbau solle schon vor der Eröffnung parallel zur Beseitigung der Fehler beginnen, sagte der stellvertretende Hauptgeschäftsführer der Kammer, Christian Wiesenhütter.

Am dringendsten sei die Tunnel-Frage: Um die Abfertigungskapazitäten zu erhöhen, soll zusätzlich zum Terminal mindestens ein sogenanntes Satelliten-Terminal auf dem Vorfeld entstehen. Er müsste mit dem bisherigen Terminal unterirdisch verbunden sein. Wie und wo das geschehe, darüber sollten die Flughafen-Planer bald entscheiden, verlangte Wiesenhütter.

Andernfalls könne es eng und chaotisch werden für die Fluggäste, befürchtet auch der IHK-Verkehrsexperte Lutz Kaden. Warteschlangen würden sich kreuzen, und die bisherige Ausrichtung auf einen zentralen „Marktplatz“ im Terminal führe zu langen Wegen. Weil alle Passagiere an den Läden vorbeigehen sollen, entstehe ein „mehrfaches Zickzack“, so Kaden. Das Terminal sei wie eine Sanduhr: „Je schmaler die Mitte ist, desto enger wird es.“

Neben dem Satelliten, ohne den der Betrieb nicht funktionieren werde, fordert die IHK daher Anbauten am bestehenden Terminal im Norden und womöglich im Süden. Außerdem sollten dort die Fluggaststeige auf 600 Meter verlängert werden. Kurzfristig hält Kaden mehr Gepäckausgabebänder, Sicherheitsschleusen und Rollwege zwischen den Start- und Landebahnen für nötig. Im Vergleich zu anderen deutschen Großflughäfen sieht er den BER hier schlecht ausgestattet.

Berlin wird internationaler, größer und voller

Um den Ausbaubedarf zu begründen, weist die IHK auf die steigende Attraktivität der Stadt für Touristen, Studenten, Wissenschaftler und Unternehmer hin. Diese „internationale Zentralität Berlins“ habe die Passagierzahlen der Flughäfen seit 2007 stärker als erwartet steigen lassen, sagte Wiesenhütter. Und er glaube, dass das Aufkommen weiter wachse.

Mit 27 Millionen Fluggästen in Berlin, die laut Planfeststellung für den BER erst 2020 erwartet wurden, rechnet die Kammer schon 2014 – obwohl der neue Flughafen dann kaum arbeiten dürfte. Für diese Passagierzahl ist der BER ausgelegt, bei weiterem Anstieg waren Anbauten ohnehin geplant.

Die Warnung vor Engpässen und die Forderung nach Erweiterungen sind denn auch nicht neu. Flughafenexperten wie der Planer Dieter Faulenbach da Costa äußern sie schon länger. Dass die Industrie- und Handelskammer nun einstimmt, gibt dem Ruf nach schnellen Um- und Neubauten bereits vor der Eröffnung aber neues Gewicht.

Wiesenhütter sagte, die BER-Verantwortlichen seien über die Vorschläge informiert. Er nannte sie „Anregungen“; die 32-seitige Broschüre mit Details trägt den Titel „Kapazität des Flughafenstandorts Berlin sichern!“ – mit Ausrufezeichen, wie ein IHK-Vertreter eigens betonte. Die Unternehmen, soll das wohl heißen, ertragen das Rumgeeiere am Flughafen nicht mehr. Schließlich sei er „ein entscheidender Faktor für die Wirtschaftsentwicklung“.

Nur in einem Punkt hält sich die IHK selbst bedeckt. Zu den Kosten habe man keine Schätzungen, sagte Wiesenhütter. „Das muss in den nächsten Monaten alles geklärt und durchgerechnet werden.“ Die BER-Anteilseigner – Berlin, Brandenburg, Bund – hätten keine andere Wahl, so deutete er an, als das Geld aufzubringen. Am Sinn einer Teilprivatisierung, wie sie im Gespräch ist, zweifele er jedenfalls, sagte Wiesenhütter.