Berlin - An diesem Donnerstag sollen sie nun endlich offiziell vorgestellt werden, die künftigen Flugrouten über Berlin und Brandenburg. Doch große Überraschungen haben die Pläne, die das Bundesaufsichtsamt für Flugsicherung (BAF) präsentieren wird, aller Voraussicht nach nicht zu bieten.

Nach Informationen der Berliner Zeitung weichen sie in den wichtigsten Einzelheiten nicht von dem Konzept der Deutschen Flugsicherung ab, das seit dem vergangenen Juli für Streit sorgt. Nicht nur der Wannsee, sondern auch der Müggelsee soll von startenden Flugzeugen überflogen werden. Flughafennahe Gebiete wie Berlin-Bohnsdorf und Blankenfelde-Mahlow müssen weiterhin mit Doppelbelastungen rechnen. Denn sie werden auch von landenden Maschinen beschallt. Doch mit der BAF-Rechtsverordnung ist die Debatte um die Routen nicht zu Ende. Änderungen wären möglich – und werden nun immer lauter gefordert.

Umstrittenen Müggelseeroute bleibt

Die Friedrichshagener haben es bereits geahnt, dass es bei der umstrittenen Müggelseeroute bleibt. Auch das Bundesverkehrsministerium, das sich immer mal wieder medienwirksam auf die Seite der Bürger stellte, hatte ihnen zuletzt keine Hoffnungen mehr gemacht.

Nun sollen bei Ostwind täglich bis zu 122 Flugzeuge die Wohn- und Erholungsgebiete am See überfliegen – gut hörbar in 1 150 Meter Höhe. „Einer ganzen Region im Südosten Berlins droht jetzt unnötige Verlärmung und Abwertung“, sagte ein Sprecher der Friedrichshagener Bürgerinitiative. Auch Rahnsdorf, Neuenhagen und andere Orte würden betroffen. Die Planung hat die Bürger kalt erwischt – vor Juli 2011 kam die Müggelseeroute in den offiziellen Flugroutenkonzepten nicht vor. Für diesen Donnerstag, 19.15 Uhr, ruft die Initiative zu einer Demonstration auf dem Friedrichshagener Marktplatz auf.

Auch im Umland sind Proteste absehbar. „Das Drama, das sich schon seit Langem angekündigt hat, wird jetzt Wirklichkeit“, sagte Michael Lippoldt von der Bürgerinitiative „Weg mit Flugrouten über Kleinmachnow“. Zwar erwecke die Routenkarte den Eindruck, als ob nur Wannsee überflogen würde – bei Westwind 48 Mal pro Tag. Doch die Regularien ließen es zu, ab einer Flughöhe von 5 000 Fuß (rund 1,5 Kilometer) von vorgegebenen Routen abzuweichen – weshalb auch Kleinmachnow, Stahnsdorf und Teile des Berliner Südwestens wie Zehlendorf und Lichterfelde mit Belastungen rechnen müssen, sagte Lippoldt. Auch viele Potsdamer erwarten, dass sie überflogen werden.

Das Brandenburger Infrastrukturministerium will dies nicht hinnehmen. „Wir möchten erreichen, dass die Routen erst ab einer Flughöhe von 7 000 Fuß freigegeben werden“, sagte Staatssekretär Rainer Bretschneider (SPD) der Berliner Zeitung. Zudem wolle sich das Ministerium dafür einsetzen, dass Flugzeuge spätabends und frühmorgens nur von der südlichen Startbahn des neuen Flughafens Berlin Brandenburg (BER) abheben. Die dort beginnenden Startrouten beträfen weniger Bürger als die Flugstrecken von der Nordbahn.