Berlin - Der Streit um die mehrmals verschobene Eröffnung des künftigen Hauptstadt-Flughafens BER hat eine neue Eskalationsstufe erreicht. Als erste Luftfahrtgesellschaft ist Air Berlin nun gegen die staatliche Flughafengesellschaft Berlin Brandenburg (FBB) vor Gericht gezogen. Am Dienstag reichte sie eine Klage beim Landgericht Potsdam ein. „Wir haben entschieden, unseren Anspruch auf Schadensersatz auf dem Rechtsweg geltend zu machen“, sagte Hartmut Mehdorn, Chef der zweitgrößten deutschen Fluggesellschaft. Dies sei der „einzig gangbare Weg zur Wahrung unserer Interessen“, teilte er mit.

„Wir haben in vielen intensiven Gesprächen mit dem Flughafen versucht, zu einer für beide Seiten akzeptablen Lösung zu kommen“, berichtete Mehdorn. Doch dies sei nicht gelungen. Darum soll das Landgericht Potsdam feststellen, ob Air Berlin gegen die Flughafengesellschaft FBB Anspruch auf Schadensersatz hat.

Ursprünglich sollte der Flughafen am 3. Juni 2012 öffnen. Dann wurde der Termin auf den 17. März 2013 verschoben. Nun ist vom 27. Oktober 2013 die Rede. „Aus der verzögerten Inbetriebnahme entstehen uns erhebliche Schäden, die im Einzelnen noch nicht vollständig beziffert werden können“, so Air Berlin. Die Höhe der Summe hänge davon ab, wie der Flughafen Tegel den Mehrverkehr vor allem im Winter bewältigt. Bis heute seien jedenfalls geschätzte Mehrkosten und sonstige Schäden in zweistelliger Millionenhöhe entstanden. Der überlastete Flughafen Tegel sei für die Expansionspläne, die Air Berlin auf dem BER verwirklichen wollte, nicht ausgelegt.

Doch die Flughafengesellschaft will nicht zahlen. „Wir wissen um die Unannehmlichkeiten der Verschiebung des Eröffnungstermins“, so FBB-Chef Rainer Schwarz. Doch Air Berlin habe keinen Anspruch auf Schadensersatz. Ein bestimmter Eröffnungstermin für den BER sei mit ihr nicht vereinbart worden. In Tegel würden zwei Millionen Euro investiert, um Abläufe zu verbessern.

Die Deutsche Bahn, die sich ebenfalls am Flughafen engagiert, hat noch nicht über juristische Schritte entschieden. Sie rechnet bis zur BER-Eröffnung mit Kosten von 34 Millionen Euro. Der Tunnel und der Bahnhof unter dem BER müssten bewacht und mit Hilfe von S-Bahn-Fahrten belüftet werden. Auch die Lufthansa ermittelt die Schäden. Doch der Air-Berlin-Klage will sich das Unternehmen vorerst nicht anschließen, hieß es.

Beobachter weisen darauf hin, dass die Airlines in Tegel auch Kosten sparen. So seien die Nutzungsentgelte dort viel niedriger als am neuen Flughafen.

Air Berlin meldete zudem eine höhere Auslastung. Sie betrug in den ersten zehn Monaten des Jahres 80,14 Prozent, 1,4 Prozentpunkte mehr als im selben Zeitraum des Vorjahres.