Die vorletzte Sitzung des Flughafen-Aufsichtsrats in diesem Jahr wird lange dauern. „Es gibt einige komplexe Themen, die wir am kommenden Freitag diskutieren müssen“, sagte ein Mitglied am Montag. „Diesmal gibt es überproportional viele Unklarheiten, mit denen wir uns auseinandersetzen müssen.“

Dazu gehört die Frage, ob die Flughafengesellschaft FBB die Geschäftsführung von drei auf vier Posten erweitern darf. Der vorgesehene neue Geschäftsführer Bau und Technik soll sich um die geplanten Kapazitätserweiterungen kümmern und FBB-Chef Engelbert Lütke Daldrup entlasten, der sich auf die Fertigstellung des Flughafens BER konzentrieren will.

Zwar gibt es mit Carsten Wilmsen bereits seit dem vergangenen Jahr einen akzeptierten Kandidaten. Der Bauingenieur leitet seit 2011 das Immobilienmanagement am Flughafen München, zuvor war er sieben Jahre lang in ähnlicher Funktion am Flughafen Hamburg tätig, er gilt als Experte. Doch Arbeitnehmervertreter im Berliner FBB-Aufsichtsrat äußern Bedenken: Die kostspielige Personalie passe nicht zu dem Sparprogramm, das in der Flughafengesellschaft zu spürbaren Stellenstreichungen führe, sagen sie.

Kabel sind weiterhin ein Problem

Auch der Baufortschritt im zentralen Terminal des BER wird das Gremium länger beschäftigen. Vertreter des TÜV werden bei der Sitzung in Tegel anwesend sein. „Die Verkabelung ist offenbar weiterhin ein Problem. Dort scheint es Handlungsbedarf zu geben“, hieß es. „Um dieses Thema müssen wir uns Sorgen machen.“ Wie berichtet ist die Firma ROM damit beauftragt, Mängel nachzubessern – eine komplexe Aufgabe angesichts der vielen Kilometer Kabel am BER. Im Juni hatte die Geschäftsführung des Unternehmens zugesagt, dass sie die Arbeiten im Frühjahr 2019 abschließen will.

Doch die schiere Menge der Mängel scheint die Mitarbeiter zu überfordern. 35 Kilometer Hauptkabel müssen neu verlegt werden,weil während des Endspurts vor der damals für Juni 2012 geplanten Flughafen-Eröffnung geschlampt wurde. Im Frühjahr dieses Jahres hatte der TÜV moniert, dass die Verkabelung im neuen Berliner Flughafen weiterhin gravierende Mängel aufweist.

Wann kann der große Test starten?

„Der Zeitplan ist eng“, so ein Aufsichtsratsmitglied. Der Plan müsse eingehalten werden, damit die Wirkprinzipprüfung, bei der das Zusammenspiel aller technischen Anlagen im Terminal untersucht wird, noch rechtzeitig beginnen kann. Nach den jüngsten Ankündigungen soll der Tests, der ursprünglich im Spätsommer 2018 anfangen sollte, im Mai oder Juni 2019 beginnen. Die Flughafenplaner halten daran fest, dass der BER im Herbst 2020 eröffnet.

Langwierig gestaltet sich auch die Deckung des zusätzlichen Finanzbedarfs für 2020 bis 2025 – es geht um rund eine halbe Milliarde Euro für den BER. Das Geld soll größtenteils mit Hilfe von Krediten beschafft werden, was die direkte Belastung der Flughafengesellschafter Berlin, Brandenburg und Bund verringern würde. Dieses Thema sollte schon vor Monaten abgehandelt sein, doch im Geflecht der Europäischen Investionsbank, der Geschäftsbanken und der Bürgen seien noch viele Fragen zu klären, hieß es am Montag.

Die nächste Aufsichtsratssitzung ist für den 30. November geplant.