Berlin - Das Problem ist identifiziert: Im BER funktionieren viele Türsteuerungen nicht. Aber wer ist dafür verantwortlich? Die Flughafengesellschaft FBB drohte beteiligten Firmen am Mittwoch Konsequenzen an. Geprüft wird, ob „Mängel- oder Schadensersatzansprüche gegen die verantwortlichen Bauunternehmen bestehen“, sagte Sprecher Lars Wagner.

Doch die Firma Bosch will die Kritik nicht auf sich sitzen lassen. Es liege an der FBB, dass sich die Fertigstellung verzögert, teilte Bosch-Sprecher Christian Hoenicke mit. „Allein im Dezember wurden uns 40 Änderungswünsche übermittelt. Und bis heute liegt uns vom Bauherren keine finale Ausführungsplanung vor“, berichtete er.

Am Dienstag hatte Flughafenchef Karsten Mühlenfeld die Türprobleme öffentlich gemacht und dabei den Firmennamen Bosch genannt. Ihm zufolge gehe es darum, ob sich Türen im Terminal bei Feuer öffnen oder schließen. Doch für das Thema Entrauchung sei Bosch gar nicht zuständig, entgegnete Hoenicke. Sondern für andere Türfunktionen: Wer erhält von außen Zutritt? Wer darf sich innerhalb des Terminals bewegen? Nicht jeder Fluggast oder Mitarbeiter darf jede Tür passieren. Ein dritter Bereich von Bosch sei die Einbruchmeldeanlage. „Es geht um ein komplexes System.“

Immer wieder neue Vorgaben

Bosch habe kein generelles Problem damit, die Türsteuerungen fertigzustellen. „Das Problem ist, dass es immer wieder neue Vorgaben des Bauherrn gibt“, so der Sprecher. Wenn etwas geändert werden muss, ziehe das oft umfangreiche Abstimmungen mit anderen Firmen nach sich. „Außerdem kann man nur das ausführen, wofür man finale Vorgaben hat“ – und auch daran fehle es.

So schlimm wie 2012, als so gut wie keine Türsteuerung im Terminal funktionierte, sei es nicht, hieß es in Kreisen der Flughafen-Gesellschafter. Doch weiterhin seien nicht an allen Türen alle Funktionen gewährleistet.  Das Problem wurde im Aufsichtsrat erstmals im vergangenen Dezember besprochen, „aber erst vor Kurzem wurde die wahre Dimension klar“, so ein Beobachter.

Sondersitzung mit Michael Müller

Bereits im Frühjahr 2016 habe die FBB Bosch angewiesen,   die Türprobleme verstärkt anzugehen – bis Januar 2017. „Doch Bosch setzte offenbar nicht genug Leute ein. Pro Monat schafften sie nur 25 bis 30 Türen“, hieß es. Hoenicke wies das zurück: „Wir haben unsere Kapazitäten aufgestockt“, es gebe mehr Personal. „Es wird massiv gebaut“, und so werde es nun weitergehen. Einen Endtermin nannte er nicht.

Am 7. Februar tagt der Aufsichtsrat. „Ich erwarte von der Geschäftsführung der Flughafengesellschaft, dass sie während der nächsten Aufsichtsratssitzung umfassend über den Stand der Fertigstellung des BER berichtet und so bald wie möglich einen verlässlichen Zeitplan vorlegt“,  so  Flughafenkoordinator Engelbert Lütke Daldrup. So viel steht  fest, war aus dem Aufsichtsrat zu hören:  „Es ist klar, dass es mit der Eröffnung 2017 nichts mehr wird.“

In Brandenburg haben die Fraktionen der CDU und von  Bündnis 90/Die Grünen für Montag eine Sondersitzung des BER-Ausschusses  beantragt. CDU-Fraktionschef Ingo Senftleben sagte, er erwarte auch vom Aufsichtsratsvorsitzenden Michael Müller Rede und Antwort. „Das ist die letzte Chance, alle Fakten auf den Tisch zu packen.“