Berlin - Die Kosten waren von vornherein knapp kalkuliert, einige der Probleme lassen sich auch so erklären. Die verschobene Eröffnung und notwendige Umplanungen haben den Kostenplan endgültig Makulatur werden lassen. Auch das neue Finanzkonzept, das der Aufsichtsrat an diesem Donnerstag in Grundzügen billigen soll, hängt maßgeblich vom Zeitplan bis zum Betriebsbeginn ab.

Mehr als 1,1 Milliarden Euro werden zusätzlich gebraucht, davon für das kommende Jahr 430 Millionen Euro, heißt es in Gesellschafterkreisen. Einen Teil der Gesamtsumme soll die Flughafengesellschaft FBB als Kredit aufnehmen, den Löwenanteil die Gesellschafter beisteuern. Die Europäische Union muss der Beihilfe zustimmen, erste Gespräche in Brüssel laufen bereits. Im September soll der Antrag bei der EU gestellt werden, im März 2013 könnte die Genehmigung da sein.

So weit die Lage im Überblick. Doch der Teufel steckt in den Details. So sind das geplante Übergangsdarlehen und seine Konditionen an die heikle Frage gekoppelt, wann der Flughafen endlich Geld verdient. „Die Höhe der Brückenfinanzierung hängt vom Eröffnungstermin ab“, sagte ein Mitglied des Aufsichtsrates der Berliner Zeitung. Auch über Zinsen und Laufzeiten wird noch verhandelt mit einer Gruppe aus öffentlichen und privaten Banken. Einzelheiten lassen sich aber erst festzurren, wenn der neue Technikvorstand Horst Amann, einen verlässlichen Starttermin benannt hat – Ende August oder September.

Auf Amann wächst damit der Druck: Sein Terminvotum bestimmt nicht nur das Ausmaß des Imageschadens, sondern auch das der finanziellen Belastung – letztlich für die Steuerzahler. Denn die drei Gesellschafter wollen die Liquidität der FBB um jeden Preis sichern. Der Brückenkredit werde an die Banken zurückgezahlt, versprechen sie, sobald die EU neuen Staatsbeihilfen zustimmt. Bislang sind 430 Millionen Euro an öffentlichen Mitteln geflossen. Wie viel Geld am Ende einmal für den BER ausgegeben sein wird, ist völlig offen. Mit großer Wahrscheinlichkeit wird die Gesamtsumme sechs Milliarden Euro übersteigen.

Neues Kostenrisiko beim Schallschutz

Größter Posten ist natürlich der Bau des Flughafens selbst, der sich auf nach dem bisherigen Stand auf fast 4,2 Milliarden Euro verteuern wird. Er sollte zuletzt 2,5 Milliarden Euro kosten, kurz vor der gescheiterten Eröffnung wuchs die Summe im Frühjahr stillschweigend auf knapp drei Milliarden Euro.

Allein das Terminal (geplant: 630 Millionen Euro) kostet nach aktuellen Angaben mindestens 1,2 Milliarden Euro. Der Lärmschutz, für den ursprünglich nur 140 Millionen Euro eingeplant waren, wurde im Frühjahr zunächst auf 157 Millionen erhöht. Dieser Betrag dürfte sich um bis zu 500 Millionen Euro erhöhen – weil der Flughafen systematisch gegen den Planfeststellungsbeschluss von 2004 verstieß und nun viel nachgebessert werden muss.

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Der Würzburger Rechtsanwalt Wolfgang Baumann, der Schönefeld-Anlieger vertritt, warnt nun vor weiteren Risiken. Die in vielen Häusern auf Geheiß der FBB eingebauten einfachen Lüfter, von Kritikern als „Miefquirle“ abgetan, entsprächen weder der DIN-Vorschrift noch der Energieeinsparverordnung und dem BER-Planfeststellungsbeschluss. 150 Millionen Euro wären erforderlich, um die 10.000 Häuser in der engeren Lärmzone mit regelkonformen Lüftern auszustatten. Baumann: „Wir werden das Infrastrukturministerium in Potsdam auffordern, tätig zu werden.“

Doch nicht nur für den Flughafenbau fielen hohe Kosten an. Viel Geld wurde bereits für die Infrastruktur ausgegeben – das wird oft vergessen. Die Schienenanbindung und der unterirdische Bahnhof kosteten 636 Millionen Euro, die direkte Straßenanbindung 74 Millionen Euro. Damit nicht genug: Mit 82 Millionen Euro schlug der Komplettumzug der Gemeinde Diepensee nach Deutsch Wusterhausen zu Buche. Auf stattliche 1,5 Milliarden Euro schätzen Experten die Kosten, die bereits vor dem Baubeginn des Flughafens 2006 entstanden sind. Allein die Fehlspekulation mit wertlosem Ackerland („Baufeld Ost“), das für die Flughafenerweiterung aufgekauft, aber nicht gebraucht wurde, brachte einen Verlust von mindestens 200 Millionen Euro.