Für den geplanten Betriebsstart am neuen Schönefelder Flughafen BER gibt es noch kein grünes Licht vom Aufsichtsrat. Die Umsetzung des Konzepts von Flughafenchef Hartmut Mehdorn steht unter Vorbehalt – was in den offiziellen Mitteilungen ausgespart wurde. Darauf hat ein Mitglied des Aufsichtsrats der Flughafengesellschaft FBB am Sonntag hingewiesen. „Während der Sitzung wurde Skepsis laut“, sagte er der Berliner Zeitung. Deshalb kam der Aufsichtsrat überein, sich mit der Freigabe der notwendigen Investitionen erst später zu befassen. „Es gab gelbes Licht, mehr nicht.“ Auch externe Beobachter sehen den Mehdorn-Plan skeptisch. „Das ist ein Potemkinsches Dorf“, sagte der Berliner Anwalt Ralf Leinemann, dessen Sozietät seit 2006 mehrere Baufirmen bein Projekt BER vertritt.

Alles in Ordnung, Mehdorns Konzept für eine „kleine Teileröffnung“ des BER im Frühjahr 2014 hat sich ohne Einschränkung durchgesetzt! Dies war die frohe Botschaft, die am Freitag nach der Aufsichtsratssitzung an die Öffentlichkeit gerichtet wurde. „Doch ganz so war es nicht“, hieß es aus dem Gremium. Zwar nahmen die Aufsichtsräte den Vorschlag der FBB-Geschäftsführung, der dem Mehdorn-Plan entspricht, zur Kenntnis. Sofort umgesetzt werden darf er aber nicht.

Zunächst habe das Management zu klären, ob das Vorhaben, den BER-Nordflügel für den Testbetrieb umzubauen, genehmigungsrechtlich möglich ist. Wie berichtet, müsste das Bauordnungsamt des Kreises Dahme-Spreewald dies erlauben – und Landrat Stephan Loge (SPD) wies darauf hin, dass die bisher bestehende Baugenehmigung für den Nordpier 2015 verfällt.

Hohe monatliche Betriebskosten

Auch wenn alle Fragen geklärt seien, könne es noch nicht losgehen, so das Aufsichtsratsmitglied. Denn dann müsse das Gremium darüber befinden, ob das nötige Geld für den Umbau und den Betrieb freigegeben wird. „Bis dahin dürfen keine Investitionen erfolgen“, hieß es. „Auf diesen Ablauf legen wir Wert.“

Auch einige wesentliche Details stellen sich auf Nachfrage anders dar, als am Freitag offiziell mitgeteilt wurde. So ist in dem Konzept nicht von zehn Flugzeugen, sondern nur von drei Flügen am Tag die Rede. Als erste Airline am BER wird lediglich die Germania genannt, vom Ferienflieger Condor ist in dem Papier nicht die Rede. Und die Kosten beschränken sich nicht nur auf die Investitionen, die für den Umbau des BER-Nordpiers erforderlich sind und mit 5,9 Millionen Euro beziffert werden. Der geplante Mini-Testbetrieb, der von März oder April bis Ende 2014 dauern soll, kostet zudem monatlich rund 500 000 Euro. So muss ein Bus-Shuttle von Schönefeld zum BER organisiert werden.

„Für mich ist das eine Show-Veranstaltung“, sagte das Aufsichtsratsmitglied. „Was soll man mit so wenigen Flügen am Tag testen?“ Auch der Plan von Technik-Chef Horst Amann, erst im Herbst 2014 zu starten und dann den gesamten Betrieb vom jetzigen Schönefelder Flughafen zum BER zu verlagern, sei während der zweistündigen Diskussion auf Zurückhaltung gestoßen. Doch zurückgewiesen wurde das Konzept im Aufsichtsrat nicht. Bei einer Testabstimmung gab es lediglich eine einstimmige Enthaltung. „Das ist keine Ablehnung“, hieß es.

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Trotzdem: Horst Amann, der vor rund einem Jahr mit viel Vorschusslorbeeren von Frankfurt am Main nach Berlin geholt wurde, ist angeschlagen. „Es würde mich wundern, wenn er auch im kommenden Jahr noch in der Flughafengesellschaft tätig wäre“, sagte Rechtsanwalt Leinemann, der das Flughafenprojekt seit Jahren kritisch begleitet, am Sonntag der Berliner Zeitung. „Ich glaube nicht, dass er noch lange auf seinem Posten bleibt. Er hat offensichtlich keine Verbündeten mehr.“

Keiner will Vorsitzender werden

Wie berichtet will Mehdorn als Nächstes Amann-Gefolgsleute austauschen. So soll Regina Töpfer, bisher als Sicherheits- und Gesundheitskoordinatorin für den Arbeitsschutz am BER zuständig, als Bereichsleiterin in die Bauspitze berufen werden. Immer wieder fällt auch der Name Hany Azer. Der Ingenieur, der den Bau des Berliner Hauptbahnhofs leitete und angeblich ebenfalls in Mehdorns „Sprint“-Team kommen soll, wusste aber Freitagabend noch nichts davon.

Leinemann sieht die Berufungen skeptisch. „Aus meiner Sicht ist das eine Aktion für die Medien – wie Mehdorns Konzept der kleinen Teileröffnung,“ sagte der Jurist. „Es ist schade, dass Mehdorn viel Kraft in die Demontage von Amann gesteckt hat, statt sich voll dem Ziel der Eröffnung des Gesamtprojekts zu widmen, wozu er immer noch keine Aussage machen kann. Wieder werden falsche Schwerpunkte gesetzt.“ Der „Test-Nordpier“ werde für einen simulierten Mini-Betrieb hingestellt, wieder abgebaut und nie mehr so verwendet. „Ein sinnvoller Test ist das schlichtweg nicht.“

"Jeder nimmt sofort Reißaus"

Der Baurechtsanwalt glaubt auch nicht, dass sich für den vakanten Posten des FBB-Aufsichtsratsvorsitzenden wie erhofft bald ein externer Experte findet. „Nach dem, was ich in der Branche höre, ist das Interesse sehr gering“, so Leinemann. „Jeder nimmt sofort Reißaus, wenn es darum geht. Denn auf diesem Posten gibt es nichts zu gewinnen, sondern nur zu verlieren.“

„Da müssen wir nur auf die Mehrkosten schauen, die jeden Monat um einen zweistelligen Millionenbetrag steigen. Am Ende werden es mehrere hundert Millionen Euro sein, die zusätzlich beschafft werden müssen.“ Die Zukunft sei ungewiss, nur so viel steht für den BER fest: „Es wird noch viel Ärger geben.“