Erst ging es ausschließlich um Korruption, doch jetzt ist auch von illegalen Absprachen von Firmen am neuen Schönefelder Flughafen die Rede. Der frühere Technikchef des Flughafenprojekts BER, Jochen Großmann, muss sich weiteren Vorwürfen stellen. Die Staatsanwaltschaft Neuruppin bearbeitet seit Kurzem auch noch ein zweites Ermittlungsverfahren gegen ihn, teilte der Leitende Oberstaatsanwalt Gerd Schnittcher der Berliner Zeitung am Montag auf Anfrage mit.

„Wir haben es von unseren Kollegen aus Cottbus übernommen“, sagte er. In dem zweiten Verfahren geht es um den Verdacht wettbewerbsbeschränkender Absprachen bei der Erteilung von Planungsaufträgen für die BER-Entrauchungsanlage, hieß es. Dem Vernehmen nach untersuchen die Ermittler Vorwürfe, wonach Unternehmen unter der Beteiligung Großmanns Angebote und Kalkulationen für Arbeiten am Flughafen abgesprochen haben sollen. Dazu waren Anfang Juni Anzeigen in Cottbus eingegangen.

Gegen den Gründer der Dresdener Ingenieurfirma Gicon wird, wie berichtet, in Neuruppin bereits wegen des Vorwurfs der Bestechlichkeit ermittelt. Großmann soll im vergangenen Herbst von dem niederländischen Unternehmen Arcadis 350 000 Euro gefordert haben, damit es einen Auftrag am BER werhält. Arcadis informierte schließlich die Flughafengesellschaft FBB, die dann die Staatsanwaltschaft anrief.

Nur weil es einen Hinweis von außen gab, flog die Affäre auf, sagte Flughafenchef Hartmut Mehdorn am Montag im Sonderausschuss BER des Brandenburger Landtags. „Sonst hätten wir es nie merken können“, sagte er. In diesem Fall gehe es um die „kriminelle Energie eines einzelnen“. Die FBB sei nicht korrupt. „So etwas kann überall passieren“ – auch bei der CDU, die Mehdorn im Sonderausschuss befragte: „Passen Sie auf, ob da nicht gerade jemand die Kasse wegträgt.“

Der TÜV habe Jochen Großmann empfohlen, der dann zunächst als Sachverständiger angeheuert wurde. „Er hatte nie eine Unterschriftsvollmacht und traf auch keine Beschaffungsentscheidung“, so Mehdorn. Weil sich der Ingenieur bewährt habe, sei er dann im April dieses Jahres fest angestellt worden.

Endlich ein richtiges Controlling

Als die Vorwürfe bekannt wurden, sei er „menschlich geschockt“ gewesen, sagte der Flughafenchef. „Es gibt bedauerlicherweise immer Leute, die denken, dass sie schlauer als das System sind. Dass das direkt neben einem passiert, hat mich betroffen gemacht.“ Einen Schaden habe die FBB aber nicht erlitten, die Zahlung wird um den unberechtigt verlangten Zusatzbetrag gekürzt.

Großmann, dem mittlerweile gekündigt worden ist, wollte 18 Mitarbeiter der Firma Gicon zum BER mitbringen. „Sie werden jetzt noch einmal unter die Lupe genommen.“ Bei 15 sei das Ergebnis „unkritisch“. Eingestellt wurde bislang niemand.

Der Posten, den der Dresdner Ingenieur als Koordinator der Technikthemen am neuen Flughafen hinterlassen hat, soll dagegen nicht mehr lang vakant bleiben. „Ich gehe davon aus, dass ich da in den nächsten Tagen eine Nachfolgeregelung präsentieren kann, die passt“, kündigte der Flughafenchef an.

Wie kontrolliert die Flughafengesellschaft ihre Arbeit? Darum ging es ebenfalls im Sonderausschuss in Potsdam. Die Beratungsgesellschaft KPMG habe im Auftrag der Flughafengesellschaft interne Prozesse geprüft, teilte Mehdorn mit. Danach gebe es zwar „Schwachstellen und Verbesserungspotenzial, aber unsere Abläufe sind in Ordnung“. Bei berechtigten Korruptionsvorwürfen werde unnachsichtig vorgegangen. „Wenn wir einen erwischen, machen wir ihn platt“, sagte Mehdorn.

Allerdings wurde auch bekannt, dass das interne Rechnungswesen, Controlling genannt, bislang offenbar unzureichend war. So erfuhr der Sonderausschuss, dass die FBB nun ein „sehr rigides Controllingsystem“ einführt – zwei Jahre nach der für Juni 2012 geplanten Eröffnung des Flughafens. „Wir sind schon sehr weit gekommen“, sagte Finanz-Geschäftsführerin Heike Fölster. Ein externes Controlling, wie es der Bundesrechnungshof gefordert hatte, sei überflüssig, so Mehdorn. Die FBB brauche „kein Controlling des Controlling des Controlling“.