Es gibt Berliner, die froh darüber wären, wenn sie ihre Flugreisen künftig nicht mehr vom alten Schönefelder Terminal aus antreten müssten. Es gibt kaum Sitzgelegenheiten, die Toiletten sind nicht dem Ansturm gewachsen, und oft müssen die Fluggäste weit laufen sowie lange Treppen erklimmen. Doch die Freude, dass das alles vorbei sein wird, wenn der BER offen ist, könnte sich als verfrüht erweisen. Die Flughafengesellschaft untersucht, ob Schönefeld-Alt, auch unter dem Kürzel SXF bekannt, offen bleibt. „Das ist eine Option, die wir prüfen“, sagte Ralf Kunkel, Sprecher des Staatsunternehmens.

Flughafen-Chef Hartmut Mehdorn hatte es schon mehrmals angedeutet: Wenn der neue Schönefelder Flughafen BER öffnet, wird er bald zu klein sein. Seit Jahren erlebt der Luftverkehr in Berlin einen Boom, seit Jahren steigen die Passagierzahlen stärker als der Durchschnitt. Im vergangenen Jahr wurden die Flughäfen Tegel und Schönefeld von mehr als 26,3 Millionen Fluggästen genutzt. Der neue Flughafen BER, der frühestens 2015 den Betrieb aufnehmen kann, ist aber nur für eine Jahreskapazität von 27 Millionen Fluggästen ausgelegt.

„Politisches Harakiri“

Das schöne neue Terminal, dessen Kosten inzwischen einen zehnstelligen Betrag erreicht haben, wird sich als ein Nadelöhr erweisen. So ist die Halle mit Check-In-Schaltern voll gestellt, hinter ihnen beginnt gleich die Sicherheitskontrolle. Es ist absehbar, dass die Warteschlangen kreuz und quer stehen werden. Jenseits der Kontrollen schließt sich eine weitere Engstelle an: Alle Passagiere müssen über den „Marktplatz“, ein Laden- und Gastronomiezentrum mit ebenfalls nicht besonders großzügigen Verkehrsflächen, geschleust werden. „Für Herrn Mehdorn war von Anfang an klar, dass die Kapazität ein sehr wichtiges Thema ist“, hieß es in der Flughafengesellschaft.

Doch der Plan des Chefs, Tegel länger offen zu lassen, stieß vor allem in Berlin auf Widerstand. Für den Bau von einem oder zwei „Terminal-Satelliten“ auf dem BER-Vorfeld hat die FBB zwar eine Genehmigung, aber kein Geld – bis zu eine Milliarde Euro würden benötigt. „So ein Projekt wäre zum jetzigen Zeitpunkt politisches Harakiri“, hieß es in Kreisen der Flughafen-Gesellschafter. Und so rückte eine Weiternutzung des jetzigen Schönefelder Flughafen-Terminals in den Blickpunkt. „Man hätte schlagartig mehr Platz und eine zusätzliche Jahreskapazität von mehr als sieben Millionen Fluggästen. Das würde die Lage enorm entspannen“, so ein Gesellschafter.

Weil derzeit ohnehin geplant ist, dass zunächst nur der Flugbetrieb von Tegel zum BER umzieht, würde eine Offenhaltung Schönefelds gut passen. Airlines wie Lufthansa, Air France oder Delta ziehen zum neuen Airport, Easyjet und Norwegian bleiben, wo sie sind – in SXF. Germanwings und vielleicht auch Air Berlin kämen dort neu hinzu.

Rein rechtlich wäre Schönefeld-Alt künftig kein separater Flughafen mehr. Die bisherige Nachtflugregelung, die Starts rund um die Uhr erlaubt, fiele weg. SXF würde juristisch ein Teil des BER, hieß es.

Doch bevor die Pläne realisiert werden, muss der Aufsichtsrat entscheiden – voraussichtlich im April oder Juni. „Die Flughafengesellschaft muss uns mehrere Varianten vorliegen“, hieß es aus dem Gremium. „Heute ist noch keineswegs klar, dass Schönefeld offen bleibt.“