Abrissarbeiten des ehemaligen Haus 6 der MfS in der Magdalenstrasse 13
Foto: Berliner Zeitung/Gerd Engelsmann

LichtenbergEinst war in dem Gründerzeitbau in der Magdalenenstraße 13 in Lichtenberg die „Zentrale Auswertungs- und Informationsgruppe des Ministeriums für Staatssicherheit“ untergebracht. Nach dem Mauerfall stand das Gebäude 29 Jahre leer. Jetzt haben auf dem Areal der ehemaligen Stasi-Zentrale umstrittene   Abrissarbeiten begonnen.

Mehr als 400 Stasi-Mitarbeiter fertigten in Haus 6, wo die wichtigste Schaltstelle des MfS ihren Sitz hatte, geheime Papiere unter anderem für die Parteiführung an. Nach der Wende verschaffte sich das Volk Zutritt und rettete Akten vor der Vernichtung, dann ging die Liegenschaft an den Bund und nichts passierte mehr.

Dass das Gebäude jetzt abgerissen wird, kritisiert ein Aufarbeitungsverein.„Man hätte das Haus nicht so verfallen lassen dürfen. Mit einem Abriss wird der historische Charakter des geschlossenen Komplexes zerstört“, kritisiert Historiker Christian Booß.

Der Abriss verstößt nach Auffassung des Vereins „Bürgerkomitee 15. Januar“, in dessen Vorstand Booß sich engagiert, außerdem gegen geltendes Sanierungsrecht. Der Eingriff in das historische Ensemble sei überflüssig und undemokratisch, so Booß weiter.

Die frühere Stasi-Zentrale ist heute ein Ort der Aufklärung

Sein Verein trägt seinen Namen in Erinnerung an den 15. Januar 1990, als DDR-Bürger die Stasi-Zentrale stürmten, Unterlagen sicherten und der Spitzelei so ein Ende machten.

Heute ist die frühere Zentrale der Geheimpolizei ein Ort der Aufklärung über Diktatur und Widerstand, ein Campus für Demokratie soll entstehen. Auch viele der anderen Gebäude auf dem riesigen Gelände, in denen sich heute das Stasi-Unterlagen Archiv und das Stasi-Museum befinden, gehören wie Haus 6 dem Bund. Dessen Bundesanstalt für Immobilienaufgaben trennt sich nun unwiderruflich von dem Gründerzeitgebäude.

„Im Rahmen regelmäßiger Überprüfungen hat die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben festgestellt, dass die Verkehrssicherheit des Gebäudes nicht mehr gegeben ist und nur unter erheblichem finanziellen Aufwand wiederhergestellt werden könnte. Deshalb wird das Gebäude aus wirtschaftlichen und baufachlichen Gründen abgerissen“, heißt es auf eine Anfrage der Berliner Zeitung.

Es sei vorgesehen, dort ein weiteres Gebäude für den Bundesbeauftragten für die Unterlagen der Staatssicherheit der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik zu errichten.

Obwohl für Haus 6 im Sanierungsrahmenplan des Bezirkes aus dem Jahr 2013 noch eine Sanierung vorgesehen war, ist auch ein Abriss rechtens. Schon vor 1990 sei dem Gebäude seine Wohnfunktion entzogen worden, sagt Lichtenbergs Baustadträtin Birgit Monteiro.   Anstelle maroder Bausubstanz könne ein Neubau das Grundstück und seine Umgebung aufwerten, so Monteiro weiter.