Berlin - Wer derzeit am Kurfürstendamm ausgehen möchte, findet nur wenige empfehlenswerte Lokale. Cafés, die einst viel zum Charme des Boulevards beitrugen, gibt es kaum noch. Promi-Wirt Roland Mary (u.a. Borchardt, Café am neuen See) will das ändern: Er wird im Haus Cumberland ein Kaffeehaus mit rund 200 Plätzen und mit eigener Patisserie eröffnen. Der historische Gebäudekomplex am Kurfürstendamm 193-194 wird derzeit denkmalgerecht saniert. Großzügige und teure Wohnungen entstehen, Büros, Luxusläden und gehobene Gastronomie. Mary wurde kürzlich unter vier Bewerbern, nicht nur aus Berlin, dafür ausgewählt.

Marmor statt Linoleum

Noch ist die künftige Pracht seines Kaffeehauses nur zu erahnen. Im Erdgeschoss vom Haus Cumberland, wo es eingerichtet wird, wirken die Bauleute. Vorsichtig bearbeiten Männer mit Schleifmehl und Poliermaschinen den Fußboden. Fünf Schichten Linoleum haben darübergelegen. Der 1911/12 als nobles Boarding House erbaute Komplex, wo man Appartements zum Übernachten mieten konnte, diente mehr als ein halbes Jahrhundert lang als Behördensitz. Beamte brauchten keinen hochwertigen Marmorfußboden. Jetzt wird dieser wieder freigelegt, die Gäste werden künftig über kunstvoll verzierte Bodenfliesen schreiten.

Der Berliner Barkeeper Thomas Pflanz, mehr als 20 Jahre in der Bar am Lützowplatz, jetzt noch in der Victoria Bar in Tiergarten, Erfinder des Cocktails „Watermelonman“, wird die Restauration in den 500 Quadratmeter großen Räumen, mit fast acht Meter hohen Decken und üppigem Jugendstil-Interieur, leiten – und auch noch des öfteren selbst Drinks ausschenken. Wobei Cocktails, Bier und andere alkoholische Getränke wohl nicht das Angebot dominieren werden. Im Tagesbetrieb geht es vor allem um „Kaffee in vielen Variationen“, um Kuchen und Gebäck, sagt Pflanz. Aber auch eine Teestunde werde es geben – Berlin nach feiner englischer Art.

„Das wird ein ganz außergewöhnlicher Ort“, sagt Thomas Pflanz. Auch der mehr als einhundert Jahre alte Kamin, jetzt noch verdeckt von diversen Baumaterialien, werde wieder zu Ehren kommen. Pflanz, Italien-Liebhaber („In Turin gibt es die schönsten Kaffeehäuser Europas!“), schwärmt schon heute von „seinem“ Berliner Kaffeehaus. Es werde dazu beitragen, den Kurfürstendamm als Ausgeh-Ort wieder zu beleben. Die Chancen dafür stünden nicht schlecht, meint er. Denn die City West erlebt derzeit ein Revival – fast alle Nobelmarken sind schon dort, Berlins erster Apple-Shop eröffnet bald in der früheren Filmbühne Wien, voraussichtlich im Herbst das Waldorf Astoria Hotel am Bahnhof Zoo. „Und Ende des Jahres kommen wir“, sagt Pflanz.

Dabei steht bisher noch nicht einmal der Name für das Kaffeehaus fest, ganz zu schweigen vom konkreten Angebot. „Wir sind noch in der Konzeptphase“, sagt Sabrina Bärthel, Sprecherin von Marys Gast Art Restaurations GmbH. Klar ist aber schon, dass im Herbst die Bauarbeiten im Vorderhaus des Cumberland abgeschlossen sein werden. „Wir liegen gut im Plan“, sagt Bauleiter Christian Kumbernuss. Anfang Juli soll das Gerüst an der Fassade abgebaut werden, danach wird der Gehweg erneuert. „Im Oktober wollen wir das Haus dann übergeben“, sagt Kumbernuss.