Das Haus der Statistik in Mitte wird noch jahrelang einen trostlosen Anblick bieten. Die Fenster des Stahlskelettbau-Komplexes an der Ecke Otto-Braun-Straße/Karl-Marx-Allee sind ausgebaut, der Wind pfeift hindurch. Das soll der Durchlüftung dienen, vor allem aber auch der Nutzung durch Obdachlose entgegenwirken, von der Schlafplätze mit abgelegter Kleidung, Konservendosen und Flaschen zeugen. Aber es gibt jetzt einen Zeitplan, bis wann die Liegenschaft am Rande des Alexanderplatzes hergerichtet sein wird: Im Mai 2024 wird es soweit sein.

Das landeseigene Unternehmen Berliner Immobilienmanagement (BIM) sieht folgende Schritte vor: Bis Ende Juli läuft das Vergabeverfahren für die Projektsteuerung, der Fassadenwettbewerb bis Mitte November. Am Jahresende 2018 sollen die Vorplanungen abgeschlossen sein, Ende April 2020, so wird erwartet, sind die Aufträge für die Bauarbeiten vergeben.

Rund 100 Millionen Euro notwendig

Schrittweise werden dann die neungeschossigen Bauten entlang der Otto-Braun-Straße für die Bezirksverwaltung von Mitte und die Finanzverwaltung hergerichtet. Der markante Kopfbau mit zwölf Geschossen gleich gegenüber vom Haus des Lehrers bildet den Schluss. Er wird auch die größte bauliche Herausforderung: 20 Prozent seiner Fläche sind nicht für die Verwaltung vorgesehen, sondern für kulturelle und soziale Projekte.

Das wird bedeuten, dass das Haus in Teilen entkernt wird, so dass zum Beispiel Ateliers eingerichtet werden können. Deshalb gibt es auch noch keine belastbare Kostenberechnung. Rund 100 Millionen Euro dürften notwendig werden, unter anderem, weil Schadstoffe wie PCB und geringe Mengen Asbest entsorgt werden müssen.

Politischer Druck statt Kunst und Kultur

Das Haus der Statistik, eigentlich ein Komplex aus sieben Gebäuden, war von 1968 bis 1970 errichtet worden, Es wurde von der Zentralverwaltung für Statistik der DDR und in den oberen Geschossen von der Stasi genutzt. Nach der Wende diente das Gebäude als Sitz von Bundesbehörden, seit 2008 steht es leer. Im vergangenen Jahr kaufte es die BIM von ihrer Bundes-Entsprechung BImA. Zu diesem Zeitpunkt war schon lange Druck entstanden, das Haus herzurichten und für Künstler nutzbar zu machen.

Die „Allianz bedrohter Berliner Atelierhäuser“ und das „Zentrum für Kunst und Urbanistik“ setzten die Bewegung 2015 in Gang, als sie ein Plakat an die Fassade hängten, das aussah wie ein Bauschild: „Hier entstehen für Berlin Räume für Kunst, Kultur und Soziales.“ Tatsächlich entstand dort nur politischer Druck.

Bezirksamt unter Druck

Das mündete im Januar 2018 in einer Kooperationsvereinbarung zwischen BIM, Wohnungsbaugesellschaft Mitte (WBM) und Bezirksamt Mitte, der Genossenschaft ZUsammenKUNFT Berlin sowie dem Senat.
Neben den Bestandsbauten sollen außerdem Wohnbauten auf dem Gelände entstehen, genaue Planungen gibt es noch nicht, wie BIM-Geschäftsführer Sven Lemiss sagte. Die WBM kann den Platz gebrauchen, soll sie doch 4000 Wohnungen im Bezirk Mitte errichten.

Besonderen Druck, neuen Büroraum zu finden, hat das Bezirksamt: Eines seiner drei Rathäuser, das Hochhaus an der Karl-Marx-Allee hinter dem Kino International, ist gemietet. Der Vertrag läuft 2028 aus, dann möchte man nicht Gefahr laufen, unbezahlbaren Mietforderungen gegenüber zu stehen, Unter Umständen werden auf dem Hof des Hauses der Statistik noch Neubauten für das Bezirksamt entstehen.

Die Entwicklung des Hauses der Statistik soll demnächst im ehemaligen Fahrradgeschäft neben dem Kopfbau dargestellt werden, ist jetzt bereits im Internet zu verfolgen: Es wurde eine Seite freigeschaltet, die auch eine Namensänderung beinhaltet: www.haus-am-alex.de