Mitte - Planen flattern im Wind, Glas knirscht, Bohrmaschinen lassen die Wände vibrieren. Das Haus der Statistik am Alexanderplatz erwacht nach über zehn Jahren aus seinem Dämmerschlaf. Vorbereitungen für den Umbau des Gebäudekomplexes zu einem neuen Stadtquartier. Unsere Zeitung durfte sich exklusiv in dem Gebäude umschauen.

Teile des Haus der Statistik sind noch gut erhalten

Zehn Jahre Leerstand sind dem 1970 eröffneten Haus der Statistik nicht gut bekommen. Im Keller finden wir die Überreste eines Obdachlosenlagers, Kabeldiebe haben sich bedient, in mehreren Räumen wüteten Feuer. Die Küche im Erdgeschoss wurde total entglast, jede Vitrine, jedes Fenster zum Innenhof zerschlagen. Selbst von verschlossenen und zugeschweißten Zugängen ließen sich die Vandalen nicht abhalten. Neben vielen Türen sind große Löcher in die Rigips-Wände geschlagen – Noteinstiege in die Räume dahinter.

Andere Gebäudeteile sehen wiederum erstaunlich gut erhalten aus. In der Chefetage liegt noch schwerer Teppichboden aus, edle Holztüren sind unbeschädigt und im Keller blitzt im Licht der Taschenlampen eine Belüftungsanlage so nigelnagelneu auf, als wäre sie gerade erst verbaut worden – und noch nie im Betrieb gewesen. Und nicht überall hat schon die 89er Wende Einzug gehalten. Im Keller hängt noch ein Warnhinweis vom 1. Januar 1981 aus: „Warnsignale der DDR beachten!!“ – für Feueralarm (periodischer Klingelton von 1 Minute) und Evakuierungsalarm (Dauerklingelton von 1 Minute). Gleich daneben der Zugang zu einer Sauna – mit einer Stahltür wie ein Tresor gesichert. Überall im Haus finden sich schwere Gitterreihen, die die Räume teilen.

Ab 2021 soll Stadtquartier mit bezahlbaren Wohnungen entstehen

Zu DDR-Zeiten arbeitete in der damaligen Hans-Beimler-Straße 70-72 die Zentralverwaltung für Statistik. Aber nicht nur. Obere Etagen waren Hoheitsgebiet des Ministeriums für Staatssicherheit. Im Erdgeschoss gab es zwei Gaststätten (Jagdklause, Mocca-Eck) und zwei Geschäfte (Suhler Jagdhütte, Natascha mit sowjetischen Spezialitäten) – auch davon ist nichts erhalten.

Bald aber soll hier neues Leben einziehen, ein Stadtviertel mit preisgünstigen Wohnungen, Künstlerateliers und Büros hochgezogen werden. Die Elfgeschosser bleiben stehen, nur die Flachbauten werden abgerissen. Der dahinterliegende Parkplatz wird bebaut, das neue Rathaus soll 64 Meter hoch werden. Die Wohnungsbaugesellschaft Mitte plant 300 Wohnungen, die Hälfte sollen Sozialwohnungen werden (Miete: 6,50 Euro kalt). Baubeginn könnte noch 2021 sein.