Wenn Ayshe und Ilker Ö. ihren Warmwasserhahn aufdrehen, kommt das Wasser kochend heiß aus der Leitung. Sie könnten damit ihren Tee aufbrühen. Ähnlich hitzig ist ihre Stimmung und die der anderen Mieter aus dem Haus Usedomer Straße 30a in Gesundbrunnen. Sie haben seit dreieinhalb Wochen ein Wasserproblem in ihren Wohnungen. Zunächst konnten sie nur kalt duschen und jetzt haben sie Angst, sich bei der Körperhygiene zu verbrühen. Doch das ist nicht ihr einziger Kummer.

Gerd Engelsmann
Das Mietshaus in der Usedomer Straße 30a: Die Anwohner beklagen sich über diverse unerledigte Mängel in ihren Wohnungen.

„Wir fühlen uns von der Hausverwaltung im Stich gelassen“, sagt Ilker Ö. Er lebt seit 1997 mit seiner Ehefrau in der 80 Quadratmeter großen Dreizimmerwohnung und habe sich dort immer sehr wohl gefühlt. Doch seit anderthalb Jahren häufen sich die Mängel in dem Mietshaus. Der Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB) berichtete bereits, dass die Mieter mehr als zwei Wochen kein Warmwasser hatten und nur mithilfe eines Wasserkochers ein warmes Bad oder eine Dusche nehmen konnten. Weitere Probleme mit Schimmel, Rissen in den Wänden und Taubenkot auf den Fensterbänken plagen die Hausgemeinschaft nun schon seit vielen Monaten.

Nun gibt es ein neues Problem: Zwar fließt das warme Wasser seit ein paar Tagen wieder, aber es kommt nun dampfend heiß aus der Leitung. „Unsere Enkeltochter hat sich schon die Hand verbrüht. Sie darf den Hahn gar nicht mehr allein aufdrehen“, sagt Ilker Ö. Der Großvater muss den Hebel auf kalt einstellen, damit die Temperatur erträglich ist.

Ilker Ö. und auch andere Mieter des Hauses haben sich wegen der Probleme schon mehrfach an die für sie zuständige Hausverwaltung Universa gewandt. Doch bislang sei kaum etwas passiert, außer dass das Wasser nun nicht mehr kalt, sondern zu heiß sei. Darüber hinaus sind in der Wohnung der Familie mit türkischen Wurzeln im Wohn- und Schlafzimmer zwei große Risse in der Wand, Ilker Ö. hat sie selbst ausgebessert, doch sie schimmern noch immer durch die Tapete durch. Auch die Fensterrahmen sind von außen marode. Auf den Fensterbänken ein weiteres Ärgernis: Dort türmt sich der Taubenkot. „Der Anblick ist eklig und eine Zumutung“, findet Ilker Ö. Für eine monatliche Miete von 955 Euro sei das nicht hinnehmbar. Erst im März haben die Bewohner eine Anpassung ihrer Betriebs-und Heizkosten erhalten und müssen seit 1. Mai monatlich 126 Euro mehr zahlen als zuvor.

Mieterin Daniela Lamprecht hat nach einem Wasserschaden im Oktober vergangenen Jahres in ihrer Wohnung ebenfalls eine Dauerbaustelle. „Die Badewanne ist durchgerostet. Die Fliesen und Kacheln im Bad sollten neu gemacht werden. Doch bislang ist noch nicht viel passiert“, sagt sie. Das Gleiche berichtet auch Ilker Ö. „Ich habe der Hausverwaltung sämtliche Mängel gemeldet, aber sie reagieren einfach nicht.“ Eine weitere Mieterin, die namentlich nicht genannt werden möchte, klagt über Schimmelstellen in ihrem Badezimmer.

Gerd Engelsmann
Ein maroder Fensterrahmen in der Wohnung von Familie Ö.
Gerd Engelsmann
Überall liegt der Taubenkot auf den Fensterbänken.
Gerd Engelsmann
Ilker Ö. lebt seit 1997 mit seiner Ehefrau Ayshe in der Mietwohnung an der Usedomer Straße.

Mehrere Mieter haben jetzt auch den Berliner Mietverein um Hilfe gebeten. In einem Schreiben vom 30. Mai, das der Berliner Zeitung vorliegt, forderte ein Mietrechtsexperte die Hausverwaltung mit einer Fristsetzung auf, die Probleme mit der Wasserversorgung zu beseitigen, und drohte im Falle einer Nichteinhaltung auch mit einer Mängelbeseitigungsklage. Hintergrund: Nach Angaben des Deutschen Mieterbundes (DMB) gehört es zu den Pflichten des Vermieters, rund um die Uhr ausreichend warmes Wasser mit einer Mindesttemperatur von 40 bis 50 Grad Celsius zur Verfügung zu stellen.

Auf Anfrage der Berliner Zeitung bei der Hausverwaltung Universa teilt diese mit: „An der Warmwasserbereitungsanlage ist eine Zirkulationspumpe defekt. Die Temperatureinstellung wurde wegen der defekten Pumpe in der vergangenen Woche manuell eingestellt. Es wird heute eine gemietete Pumpe geliefert  und auch schon eingebaut. Es sind jetzt wieder 60° anliegend“,  sagte Unternehmenssprecher Jens Jähnig am Freitag. Eine Ersatzpumpe werde erst in circa zehn Wochen geliefert. Insbesondere bei Pumpenanlagen hätten  sich die Lieferzeiten extrem entwickelt. Bereits seit zwei Wochen seien eine Fliesenlegerfirma und eine Trockenbaufirma im Haus aktiv, um die Schäden in den Wohnungen nach dem großen Wasserschaden zu beseitigen. Die Arbeiten würden bis Anfang August 2022 andauern, sagte der Sprecher des Vermieters. Bezüglich der Risse in den Wänden hätten sie noch keine Meldung erhalten. „Das Thema Tauben ist uns ebenfalls bekannt“, so Jähnig. Es sei ein Gerichtsverfahren geführt worden, das mit einem Vergleich mit den Mietern endete. Die Desinfektion der Balkone sei beauftragt worden. Die Mieter seien ebenfalls berechtigt auf eigene Kosten an den Balkonen Netze anzubringen. Sie hätten jedoch fütternde Mieter beobachtet.

privat
Die Badewanne einer Mieterin ist durchgerostet. Die Fliesen in ihrem Badezimmer fehlen seit Monaten.

Auch Familie Ö. hat eigenständig ein Taubennetz an ihrem Balkon angebracht und Nägel in die Fensterbank an ihrem Schlafzimmer angebracht, damit sich die Tiere dort nicht draufsetzen können. Seitdem sitzen sie auf den unteren Fensterbänken. „Sie gurren Tag und Nacht und verdrecken alles. Die Situation ist alles andere als zufriedenstellend“, findet Ilker Ö. Er hat noch einmal die Mieter des Hauses zusammengetrommelt, um gemeinsam über die Probleme zu beraten. Seine Sommerabende auf dem Balkon hat er sich anders vorgestellt, sagt er.