Die Polizei hat in der Nacht ihre Einsätze an zwei besetzten Gebäuden in Berlin-Friedrichshain und in Lichtenberg beendet. Schon am frühen Abend räumten die Einsatzkräfte eine ehemalige Brauerei auf der der Landsberger Allee. Dort nahmen sie am Samstagabend 14 Verdächtige fest, wie ein Polizeisprecher am Sonntag sagte. An einer Spontankundgebung vor dem Haus beteiligten sich laut Polizei 50 Demonstranten. Die Polizei war mit rund 80 Kräften im Einsatz.

Frankfurter Allee 187 am frühen Sonntagmorgen den Eigentümern übergeben

Gegen 0.30 Uhr verließen ungefähr 80 Menschen das andere Gebäude in der Frankfurter Allee 187 in unterschiedliche Richtungen. Im Gebäude fanden die Beamten daraufhin niemanden mehr. Festnahmen habe es zunächst keine gegeben. Das Haus wurde am frühen Sonntagmorgen dem Eigentümer übergeben. 

Protest gegen spekulativen Leerstand

Auf der linken Internetseite Indymedia war am Samstagmittag ein Schreiben aufgetaucht, in dem die Autoren angaben, hinter den Besetzungen zu stecken. „Wir haben im Rahmen der "Tu Mal Wat!"-Aktionstage die ehemalige Brauerei in der Landsberger Alle 54 besetzt“, hieß es dort.  Demnach handelte es sich bei der Aktion um Protest gegen spekulativen Leerstand und Verdrängung.

So wollten die Aktivisten etwa "die wohnungspolitischen Kämpfe weiter zuspitzen", heißt es in einem Aufruf zur Besetzung der Häuser. Es gehe um den "Erhalt bedrohter Objekte und die Besetzung neuer Häuser". Und: ""Wir sehen uns als Teil einer Bewegung, die sich dagegen wehrt, dass Berlin zunehmend zu einer Stadt der Reichen wird."

Mehrere vermummte Personen hatten am Samstagnachmittag die zwei Häuser in Berlin-Friedrichshain besetzt. Zuerst wurde die leerstehende Brauerei in der Landsberger Allee 54 besetzt. Die Polizei rückte mit einem Großaufgebot an. Insgesamt 80 Einheiten waren vor Ort, darunter auch technische Einsatzkräfte mit Kletterausrüstung.

Landsberger Alle 54 am Abend geräumt

Die Räumung sei am späten Abend abgeschlossen gewesen, erklärte Thilo Cablitz, Sprecher der Berliner Polizei. Auch schweres Gerät kam dabei zum Einsatz, dass die Tram zeitweilig unterbrochen werden musste. Drei Aktivisten hatten das Gebäude mit Kletterausrüstung erklommen, die bei dem Einsatz wieder sicher abgeseilt werden mussten.

Debatte um Frankfurter Allee 187 nicht beendet

In der Frankfurter Allee 187 wurde ein ehemaliges Wohnhaus besetzt. Vermummte Aktivisten hängten Transparente aus den Fenstern, auf denen unter anderem zu lesen war: "Eine Welt ohne Vermieter ist möglich". Mehrere Eingänge des U-Bahnhofs Magdalenenstraße wurden von den Besetzern blockiert. Vor dem Haus in der Frankfurter Allee 187 hatten sich laut Polizei zeitweise rund 100 Menschen versammelt, die sich mit den Besetzern solidarisierten. Zwischenzeitlich waren rund 100 Kräfte auf der Frankfurter Allee im Einsatz. 

Die Besetzung des Hauses Frankfurter Allee fand offenbar mitten in der Nacht ein Ende, weil die Polizei keine Unterstützer zu den etwa 80 Besetzern durchließ, um per Twitter erbetene Schlafsäcke und Lebensmittel zu bringen. Der Eigentümer hatte eigentlich eine Frist bis Sonntag 15 Uhr gesetzt.

Die Debatte über das rund hundert Jahre alte Gebäude ist damit nicht beendet. Es gehört der landeseigenen Berliner Immobilen GmbH (BIM) und steht seit Jahren leer. Es war einstmals Teil des von der Stasi genutzten Komplexes zwischen Rusche- und Magdalenenstraße und zum Bürohaus umgebaut, war dann ein Verwaltungssitz des Bezirks und sollte eigentlich bis 2018 saniert und für Künstler und ihre Ateliers nutzbar gemacht werden.

Lederer: Frankfurter Allee 187 soll Teil des „Campus der Demokratie“ werden

Kultursenator Klaus Lederer (Linke) verkündete über Twitter, dass das Gebäude dem Bund übertragen werden wird. Es soll Teil des „Campus der Demokratie“ werden, einer Weiterentwicklung des Stasi-Areals, und mit als Außenstelle des Bundesarchivs für die MfS-Akten dienen.

Der Grünen-Abgeordnete Daniel Wesener widersprach. Das Abgeordnetenhaus habe lediglich eine Unterstützung der Vorhaben beschlossen. Der Beschluss des Bundestags wiederum, die MfS-Akten ins Bundesarchiv zu integrieren, sichere nur den Bestand des Archivs. Die Entwicklung zum „Campus der Demokratie“ habe der Bundestag lediglich in Aussicht gestellt. Es sei deshalb nicht nötig, das Haus zu verkaufen.