Was für eine Aufregung: Dutzende Menschen, die in einer von langer Hand geplanten Aktion auf einen Schlag neun Häuser in Berlin besetzen. „Paläste für alle“, „Alles Allen“ und „Wohnen ist Menschenrecht“ stand auf den eilig an Hauswänden angebrachten Transparenten, die die Besetzer mit dem Slogan #besetzen mitgebracht hatten.

Es dauerte nicht lange, bis die Polizei vorbeikam, um die meist recht jungen und auffallend friedlichen, um nicht zu sagen harmlosen Protestler nach nur wenigen Stunden wieder aus den Häusern zu holen und vor die Tür zu setzen. Kompromisslos, aber vergleichsweise besonnen und sanft. An dieser Stelle sei explizit gesagt: Ja, die Polizei hat ihren Job gut gemacht. Eben der Situation angemessen. Der ein oder andere blaue Fleck (auf beiden Seiten, wohlgemerkt) bleibt manchmal eben nicht aus.

Mit Luftballon "bewaffnet"

Unterm Strich waren die „Hausbesetzungen“ aber sowieso eher eine Protestaktion, nicht mehr, nicht weniger. Weder wurden Hauseingänge verbarrikadiert oder Blendgranaten geworfen. Statt mit Pflastersteinen hatten sich die „Hausbesetzer“ und deren Sympathisanten mit Luftballons bewaffnet.

Im Netz, aber auch in der realen Welt, wurde die durchaus diskussionswürdige, aber zumindest im Gedankenansatz nicht völlig falsche Form des Protestes gegen den implodierenden Berliner Wohnungsmarkt zu einem neuen Straßenkampf linker Terroristen oder zum „Krieg gegen die Paläste“ gehyped.

Vergleich mit Mainzer Straße

So wurden aus der rechtskonservativen Ecke Vergleiche zu den bürgerkriegsähnlichen Zuständen in der Mainzer Straße im Berlin der Wendezeit gezogen. Echt jetzt? Auf der anderen Seite wurde die von vermutlich der großen Mehrheit der Berliner nachvollziehbare Kritik am hiesigen Wohnungsmarkt von selbst ernannten Weltrettern zu einem grundsätzlichen „kapitalistischen, systematischen Missstand“ verklärt, der (Achtung!) zugleich auch „anti-emanzipatorisch“ sei. 

Ideologiefreie Lösung

Wünschenswert wäre, dass alle Beteiligten auf dem Teppich blieben. Und man das real existierende Problem der Wohnungsnot und explodierenden Mieten vernünftig löst. Ziel- und lösungsorientiert, wie Profis eben. Und vor allem: ideologiefrei. „Mit einer Ideologie ignoriert man die wahren Sachzusammenhänge. Und daraus erklärt sich, warum man mit ihr Probleme nicht sachgerecht lösen kann“, sagte ein kluger Mann im Zusammenhang mit der Berliner Wohnungsnot.

Wenn diese Erkenntnis in den Köpfen aller Beteiligten ankommen würde, was könnte Berlin für eine schöne, funktionierende, gerechte und vor allem entspannte Stadt sein. Der Zeitgeist geht aber leider in eine andere Richtung.