Erst brannten die Autos in der Garage, dann griff das Feuer auf das Gebäude in der Jahnstraße über. 
Foto: Eric Richard

BerlinDie Berliner Polizei hat den mutmaßlichen Brandstifter gefasst, der in Neukölln in der vergangenen Woche mehrere Autos angezündet und so auch einen schweren Hausbrand verursacht haben soll. Das teilten Polizei und Staatsanwaltschaft am Montag mit. 120 Bewohner eines Hauses in der Jahnstraße mussten wegen des Brandes ihre Wohnungen verlassen.

Auf Nachfrage erklärte ein Sprecher der Berliner Polizei, es handele sich um einen 32-jährigen Deutschen ohne Migrationshintergrund. Er sei  nach „intensiven Ermittlungen“ bereits am Freitag festgenommen worden. Er sei bei der Polizei bisher nicht wegen Brandstiftung, aber wegen einer Reihe anderer Delikte aktenkundig: Körperverletzung, Einbruch, Sachbeschädigung und Rauschgiftdelikte.

Zu den Tatvorwürfen habe er sich bisher nicht geäußert. „Eine politische Tatmotivation ist, wie auch eine Verbindung zu weiteren Straftaten, zum jetzigen Erkenntnisstand nicht erkennbar“, hieß es weiter. Die Ermittlungen dauerten an. Zeugenhinweise sowie Ermittlungen hätten auf die Spur des Mannes geführt, die Festnahme am Freitag sei ohne Widerstand verlaufen.

In der Nacht von Sonntag auf Montag, den 13. Juli, soll der Mann um kurz vor 3 Uhr Autos in einer Garage unter dem Haus in der Jahnstraße/Ecke Buschkrugallee in Brand gesetzt haben. Das Feuer griff auf das Haus über, die 120 Bewohner mussten ihre Wohnungen verlassen. Sechs Bewohner wurden noch vor Ort von Sanitätern behandelt. Vier Tage später wurde ihnen mitgeteilt, dass das Haus einsturzgefährdet sei. Seither dürfen sie ihr Zuhause nicht mehr betreten.

In derselben Nacht soll der Tatverdächtige einen VW in der Karl-Marx-Straße angezündet haben. Auch hier griff das Feuer auf einen anderen Wagen über. Verletzt wurde niemand.

Bewohner wünschen sich intensive Ermittlungen zum Motiv

Die Bewohner des Wohnhauses wurden gleich nach dem Brand wieder zurück in ihre Wohnungen gelassen. Vier Tage lang wohnten sie in dem Haus, bis ein Statiker es am Donnerstag für einsturzgefährdet erklärte – und die Bewohner ihre Wohnungen innerhalb weniger Minuten verlassen mussten. Seither dürfen sie ihr Zuhause nicht mehr betreten. Zurzeit sind viele von ihnen in einem billigen Hostel untergebracht, andere schlafen bei Freunden.

Die Nachricht, dass ein Tatverdächtiger gefasst wurde, löste bei ihnen am Montag „Erleichterung“ aus, sagte Ahmad Eliraqui, einer der Bewohner, der Berliner Zeitung. Er wünsche sich aber weiterhin intensive Ermittlungen auch zum politischen Hintergrund und Motiv des Brandtäters. „Man muss ja nicht in einer Partei sein, um ein politisches Motiv zu haben.“ Fraglich ist für Eliraqui – wie für viele der Bewohner –, warum gerade ihr Wohnhaus angezündet wurde.

Mehr als 30 Bewohner des Wohnhauses in der Jahnstraße zogen am Montagmorgen von ihrem Hostel in der Saalestraße geschlossen zum Amt für Wohnhilfe in der Donaustraße. Sie wollten dort auf eine bessere Unterbringung dringen, wurden aber nur zum Teil eingelassen. „Meine Familie schläft zu sechst in einem Mehrbettzimmer“, sagte eine junge Frau der Berliner Zeitung. Es seien viele große Familien und kleine Kinder betroffen, die Unterbringung sei so nicht haltbar.

Die Diskussionen beim Amt aber blieben für sie ohne zufriedenstellendes Ergebnis. Wie vom Bezirksamt erhielten sie auch hier dieselbe Antwort: Der Bezirk könne nur 25 Euro pro Nacht und Kopf für die Unterbringung zahlen. Der Betrag ist der übliche Satz, mit dem der Bezirk Obdachlose unterbringt. Mehr zu zahlen ist laut Bezirksamt nicht möglich.

Bezirksamt weiß nicht, wer nach dem Brand das Haus frei gab 

„Wir versuchen gerade, andere Angebote zu finden, vielleicht auch über städtische Wohnungsbaugesellschaften“, sagte Christopher Dathe vom Neuköllner Amt für Stadtentwicklung der Berliner Zeitung am Montag. Doch das sei auf dem überlasteten Wohnungsmarkt nicht einfach. Wohnungen, die für größere Familien geeignet seien, seien besonders schwer zu finden. Mit dem Jobcenter sei man nun – eine Woche nach dem Brand - im Kontakt, damit es für jene Bewohner, die Leistungen beziehen, eine „Notfallsprechstunde“ einrichte. Einige Bewohner konnten das Haus gar nicht mehr betreten, manche haben weder Ausweis, Geld noch EC-Karte bei sich.

Einige Familien irrten von Freitag auf Samstag ziellos durch die Stadt, weil sie keine Unterkunft für 25 Euro die Nacht fanden. Dathe sagte, bis mindestens Freitag sei die Unterbringung der rund 120 Personen nun abgeklärt und bezahlt. Inzwischen seien alle Bewohner mit Schlafplätzen versorgt.

Ob das Wohnhaus irgendwann wieder bewohnbar sein wird, ist unklar. Das Bauamt untersuche den Bau und habe Sonden verlegt, die Verschiebungen im Mauerwerk messen sollen. Noch lägen dem Amt aber keine neuen Erkenntnisse vor, so Dathe.

Warum der Statiker das Haus erst an Tag 4 als einsturzgefährdet einstufte, konnte Dathe auch am Montag nicht beantworten. Auch wer die Bewohner direkt nach dem Brand zurück in ihre Wohnungen geschickt hat, ist völlig unklar. Die Feuerwehr sagte der Berliner Zeitung, sie sei nur für die akute Gefahrenabwehr zuständig und gebe keine Häuser frei. Laut Dathe war in der Brandnacht aber nur das Sozialamt vor Ort, nicht das zuständige Bauamt.