Es ist Haushaltszeit. Höchste Zeit, mal wieder ein altbekanntes Theaterstück aufzuführen. Das Drehbuch geht in etwa so: Der Finanzsenator legt einen ersten Entwurf – diesmal für den Doppelhaushalt 2022/23 – vor, und die Bezirksbürgermeister schlagen Alarm. Die Lücke zwischen zu bewältigenden Aufgaben und zur Verfügung stehenden Ressourcen werde immer größer, schreiben sie in einem Brandbrief. Die Rede ist von „struktureller Unterfinanzierung“, diese Haushaltspolitik sei „weder nachhaltig noch sinnvoll“.

Es ist seltsam. Da ist die rot-grün-rote Koalition ganz unter sich – CDU-Bürgermeister wurden gemeinsam und überall verhindert –, und dennoch gibt es Zoff zwischen Landes- und Bezirksebene. Bei einem zweiten Blick fällt auf, dass unter den acht Unterzeichnenden neben allerlei Sozialdemokraten und Linken nur eine Grünen-Vertreterin ist: Kirstin Bauch aus Charlottenburg-Wilmersdorf, eine Newcomerin. Die übrigen grün regierten Bezirke mit ihrem meist altgedienten Politpersonal an der Spitze zeigen sich folgsam und haben offenbar kein Problem mit dem Haushalt, den der grüne Finanzsenator vorgelegt hat. Zufall? Es fehlt der Glaube.

Dabei taugt der aktuelle Streit, um an ein grundsätzliches Thema zu erinnern. Seit 102 Jahren, seit der Bildung Groß-Berlins, ringen Haupt- und Bezirksverwaltungen miteinander. Um nicht missverstanden zu werden: Föderalismus hat auch im Kleinen seine Stärken. Eine 3,7-Millionen-Einwohner-Metropole kann nicht von oben herab verwaltet werden, vieles muss vor Ort, in den Bezirken gelöst werden. Doch permanenter Zank mit ritualisierten Schuldzuweisungen – das nervt. Alle Beteiligten reden von einer Verfassungsreform mit klaren Aufgabenverteilungen und Etatzuteilungen. Wird sie diesmal gelingen? Wohl kaum.