Berlin - Auf der U-Bahn-Baustelle Unter den Linden ist am Wochenende ein neues Problem aufgetaucht. Nahe der Einmündung der Schadowstraße hat sich die Fahrbahn plötzlich angehoben. Darum musste die Straße in Mitte am Sonnabend gesperrt werden, teilte die Projektrealisierungsgesellschaft U 5 mit. Die Sperrung dauerte am Sonntag an.

Schuld an den Aufplatzungen war die Druckluft, mit der die unterirdische Baustelle stabilisiert wird, sagte Technik-Geschäftsführer Jörg Seegers am Sonntag. Sie hatte in der Abbaukammer des seit Juli pausierenden Tunnelbohrers „Bärlinde“ einen Überdruck erzeugt, damit Gutachter ermitteln können, warum im August sechs Kubikmeter Erde, Sand und Wasser in diesen Teil der Baustelle eingedrungen waren.

„Druckluft hatte sich unter der Asphaltdecke gesammelt,“ sagte Seegers. Passanten seien die Wölbungen aufgefallen. Wenn Busse darüber fuhren, habe sich der Asphalt leicht abgesenkt. Es sei rasch reagiert worden, so das zu den Berliner Verkehrsbetrieben (BVG) gehörende Unternehmen. Die Fahrbahn Richtung Brandenburger Tor wurde gesperrt. Betroffen ist der Abschnitt zwischen Schadow- und Wilhelmstraße. Am Sonntag erfolgten Probebohrungen, um zu prüfen, ob es weitere Bewegungen gab. Ein Teil der Wölbungen habe sich wieder gesenkt, weil Luft durch millimeterfeine Risse ausgetreten sei, hieß es.

Weitere Komplikationen

Es ist nicht die erste Komplikation beim Lückenschluss auf der Linie U 5 zwischen Alexanderplatz und Brandenburger Tor, der den Bau von 2,2 Kilometer Tunnel sowie drei U-Bahnhöfen umfasst und auf 525 Millionen Euro veranschlagt ist. So gab es unter der Museumsinsel massive Probleme mit dem Grundwasser. Das Grundwasser, das in Mitte hoch steht und viel Kraft entfaltet, hatte die Bauleute vorsichtig werden lassen. Auch zuletzt war der Zufluss noch doppelt so groß wie zulässig.

Deshalb musste die Tunnelbohrmaschine, die nach einem Wettbewerb den Namen „Bärlinde“ bekommen hatte, vom Herbst 2013 bis März 2014 pausieren, nachdem sie gerade erst 427 Meter Tunnel gebohrt hatte. Erst nachdem die Baugrube für den U-Bahnhof Museumsinsel mit einem Aussteifungsrost stabilisiert worden war, konnte sich die 700 Tonnen schwere Schildvortriebsmaschine wieder in Bewegung setzen.

Danach ging die Tunnelbohrung allerdings gut voran. Im Erdreich unter der Straße Unter den Linden legte „Bärlinde“ an guten Tagen mehr als 20 Meter zurück. Normal sind rund acht Meter pro Tag. Und so kam „Bärlinde“ bereits am 12. Juli 2014, früher als zuletzt erwartet, an ihrem Zielpunkt im Untergrund hinter der Russischen Botschaft in Höhe des Hauses Unter den Linden 67 an.

Als das 6,67 Meter hohe Schneidrad zur Ruhe kam, hatte die Maschine 1617 Tunnelmeter zurückgelegt und Betonteile zu 1073 Ringen verbaut – die erste Röhre war im Rohbau fertig. Nur eine knapp drei Meter dicke Wand trennt seitdem das Schneidrad seitdem vom U-Bahnhof Brandenburger Tor, von wo aus die heutige U55 zum Hauptbahnhof pendelt.

Verzögerung von mindestens sechs Monaten

Doch dann kam es im August aus bislang ungeklärten Gründen zu dem Erd- und Wassereinbruch am still stehenden Schneidrad, der den Experten bis heute unbegreiflich ist. Vor allem deshalb, weil die Maschine schon seit Wochen stillstand und unbeweglich im Boden steckte, als die Havarie geschah. Ursprünglich sollte das Schneidrad demontiert und verschrottet, die Maschine aus der ersten Tunnelröhre herausgezogen werden, um im November 2014 mit der Bohrung der zweiten Röhre zu beginnen.

Doch dieser Zeitplan lässt sich nun nicht mehr halten, die Maschine hat ihren Standort seit dem 12. Juli nicht mehr verändert. Zwar ist offiziell noch nicht von Terminverschiebungen die Rede. Doch die Planer und der Senat gehen davon aus, dass die Havarie vom August dem Weiterbau der U 5 eine Verzögerung von mindestens sechs Monaten bescheren wird und sich die für Ende 2019 geplante Fertigstellung der neuen Ost-West-U-Bahn auf Mitte 2020 verschiebt.

Die zeitlichen Reserven, die im Terminplan enthalten sind, waren schon durch den Stillstand unter der Museumsinsel aufgebraucht worden. Im April 2014 hieß es intern, dass es zwischen dem Plan- und dem Ist-Zustand eine Differenz von 221 Werktagen gab – mehr als sieben Monate.