Noch ist die Entscheidung nicht gefallen, ob die Strecke tatsächlich gebaut wird. Trotzdem hat das Team von der Niederbarnimer Eisenbahn (NEB) schon mal mit den Vorbereitungen für das Projekt, das Berlin eine neue Verbindung ins Umland bescheren soll, begonnen. Im Pankower Ortsteil Wilhelmsruh lässt das Unternehmen Bäume fällen, damit erste Arbeiten stattfinden können. „Dort wird die künftige Trasse vermessen, damit wir den Planern für ihren Entwurf nötige Unterlagen übergeben können“, sagte NEB-Chef Detlef Bröcker am Freitag auf Anfrage. Falls das Vorhaben wirklich in Gang kommt, könnten die Planungsleistungen kurzfristig ausgeschrieben werden.

Schon bald könnte es eine wichtige Weichenstellung geben. Am 20. März kommen Vertreter der Länder Berlin und Brandenburg sowie der Deutschen Bahn zusammen, um erneut über den Ausbau der Bahnanlagen in der Hauptstadt-Region zu sprechen. Beim Projekt i2030 werden acht Bereiche Thema sein – „auch unsere Strecke in Wilhelmsruh“, kündigte Bröcker an. „Die Signale sind positiv, dass es bald endlich vorangehen könnte.“

Es geht um ein Verkehrsprojekt, für das die Signale zwar schon lange auf grün stehen, bei dem sich aber bis heute nichts Sichtbares getan hat.

RB27 muss zum Gesundbrunnen verlängert werden

Geplant ist, die Strecke der Heidekrautbahn, die nach der Schließung der innerstädtischen DDR-Grenze 1961 stillgelegt worden war, neu zum Leben zu erwecken. Künftig sollen wieder Züge nach Schildow, Mühlenbeck, Basdorf, Wandlitz und zu anderen Orten nordöstlich von Berlin fahren – allerdings schneller und häufiger als je zuvor.

Die traditionsreiche Trasse heißt Heidekrautbahn, weil sie auch in ein großes Ausflugsgebiet führt – die Schorfheide. Wer im Wandlitz- oder Liepnitzsee baden will, kommt auf diesem Gleis ebenfalls dorthin. Die Bahnlinie erschließt einige der beliebtesten Seen, Wander- und Pilzsammelgebiete rund um Berlin. Werktags dient sie vor allem Brandenburgern, die zur Arbeit, zum Einkauf oder zur Ausbildung fahren.

Einst fuhren die Züge in Wilhelmsruh ab. Doch als der Mauerbau begann, war dort Schluss, denn Bahnhof und Gleise lagen im Grenzgebiet. Seit 1976 ist Karow Startbahnhof, allerdings liegt die Station weit vom Zentrum entfernt. Würde die Stammstrecke wieder aufgebaut und die Regionalbahnlinie RB27 nach Gesundbrunnen verlängert, kämen die Reisenden näher an der Innenstadt an – und hätten Anschluss an Fern- und Regionalzüge.

Die Pendlerverbindungen sind den Anforderungen nicht mehr gewachsen

Mühlenbeck und Schildow bekämen eine neue Verbindung nach Berlin. Das Märkische Viertel würde ebenfalls profitieren – von dort wäre der Gesundbrunnen nur noch wenige Minuten entfernt. Das Gewerbegebiet Pankow Park, in dem sich rund 100 Firmen angesiedelt haben, soll ebenfalls einen Haltepunkt bekommen. Kein Wunder also, dass das Projekt gut bewertet wurde. Anfangs würden die Dieseltriebwagen im Stundentakt verkehren, ein Halbstundentakt soll möglich sein.

Doch das Vorhaben fiel zwischen alle Stühle. Erst wollte Brandenburg, aber Berlin nicht. Dann war es umgekehrt. Hinzu kam lokale Opposition – vor allem in Schildow, wo Bürger befürchten, dass die Züge den übrigen Verkehr und die Ruhe stören. So war bis vor kurzem nicht absehbar, ob die mittlerweile mehr als 56 Jahre brachliegende Verbindung neu entsteht. Doch inzwischen haben Politiker erkannt, dass die Pendlerverbindungen in der wachsenden Region den Anforderungen nicht mehr gewachsen sind.

So riefen sie das Projekt i2030 ins Leben, das vom Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg koordiniert wird. Die Länder wollen dafür sorgen, dass die Infrastruktur der Bahn „bedarfsgerecht ausgebaut wird“, sagte Berlins Verkehrssenatorin Regine Günther (parteilos, für Grüne).

NEB-Chef bekommt genügend Rückenwind

Nirgendwo seien die Vorbereitungen schon so weit gediehen wie bei der Heidekrautbahn, sagte NEB-Chef Bröcker. Für die Neubaustrecke gebe es seit 2011 eine Genehmigung. Geplant sei eine Rampe, auf der das Gleis auf den Damm der Nordbahn geführt wird. Gegenüber vom Bahnhof Wilhelmsruh würde ein Haltepunkt mit Seitenbahnsteig entstehen, von dem aus eine Rampe zur Kopenhagener Straße hinunterführt. Fahrgäste könnten dort in die S 1 umsteigen.

Angestrebt wird, das neue Gleis knapp einen Kilometer nach Schönholz zu verlängern – damit es an die Strecke nach Gesundbrunnen anschließen kann. Bis März 2021 gilt der Planfeststellungsbeschluss, und Böcker ist zuversichtlich, dass der Bau bis dahin in Gang kommt. Von Bürgermeistern und der Kommunalen Arbeitsgemeinschaft Region Heidekrautbahn bekommt er jetzt weiteren Rückenwind. Gemeinsam wurde bei www.openpetition.de eine Unterschriftensammlung für das Projekt gestartet – wobei der Ast via Karow in Betrieb bleiben soll. Das Motto lautet: jetzt beginnen!