Berlin - „Hohenschönhausen war schon immer etwas gehobener als andere Neubauviertel. Es hatte nie das Image einer Plattenbausiedlung“, sagt der 73-jährige pensionierte Lehrer für Mathematik.

In den Neubauten wohnten anfangs und leben auch noch heute „qualifizierte Leute“, sagt Meyerhöfer. Wissenschaftler, Staatsbedienstete oder Angestellte der Humboldt-Universität. Zudem seien damals viele Familien aus ihren unsanierten Altbauwohnungen in Prenzlauer Berg in die modernen Neubauwohnungen im neuen Stadtteil Hohenschönhausen gezogen.

Von 1984 bis 1989 entstanden auf der 327 Hektar großen Großbaustelle am nördlichen Stadtrand zwischen Alt-Hohenschönhausen und Wartenberg rund 30.000 Wohnungen für etwa 90.000 Menschen, in die vor allem junge Familien zogen. Am 9. Februar 1984 legte die Partei- und Staatsführung der DDR mit einer großen Zeremonie an der Barther Straße 3 den Grundstein für das Neubauprojekt. Erich Honecker vollzog die traditionellen drei Hammerschläge und versenkte im Fundament eine Kassette, in der auch ein Exemplar der Berliner Zeitung liegt.

Regaleweise Chroniken im Wohnungsflur

Rolf Meyerhöfer wohnt bis heute in der Wohnung in der Rüdickenstraße, in die er am 1. September 1985 gezogen ist. Dass dieser Termin ein besonderer war, erfährt er später. An diesem Tag wurde Hohenschönhausen als zehnter Bezirk im Ostteil der Stadt gegründet. Meyerhöfer sagt, er fühle sich nach wie vor sehr wohl in seinem Viertel. Mit dem Lindencenter als Einkaufsmöglichkeit und als Zentrum des Bezirkes sei Hohenschönhausen „sehr attraktiv“. Von den einst 130 Pfuhlen, Teichen und Sümpfen seien die 30 heute noch bestehenden in die Wohngebiete integriert.

Zuvor hatte Meyerhöfer in Straßburg (Mecklenburg-Vorpommern) gelebt. Er leitete den Kulturbund und beschäftigte sich dabei auch mit Geschichtsforschung und der Arbeit der Dorfchronisten. „Als ich nach Hohenschönhausen zog, fing ich gleich mit dem Sammeln an“, sagt er. Etliche Artikel archivierte er, sortierte Zeitungen, Broschüren, Bücher und Fotos. Heute füllt seine Chronik über Hohenschönhausen einige Regale im Flur seiner Wohnung. Manches hat er, weil der Platz fehlt, in den Keller gestellt. Andere Dokumente liegen beim Förderverein Schloss Hohenschönhausen, Meyerhöfer ist dort Mitglied.

Es gibt wohl keine Ausstellung zur Geschichte von Hohenschönhausen, an der Meyerhöfer nicht mitgewirkt hat. Vor zwei Jahren zeigte er mit Unterstützern die Ausstellung „Obdach auf Zeit“, es ging um die Ausländerheime in der Gehrenseestraße. In den neun markanten Gebäuden, die Anfang der 80er Jahre gebaut wurden, waren anfangs Bauarbeiter aus dem ganzen Land untergebracht, später zogen Vertragsarbeiter aus Vietnam, Mosambik und Angola ein, zuletzt Kosovo-Albaner auf der Flucht. Diese Häuser seien „ein Stück Identität von Hohenschönhausen“, sagt Meyerhöfer. Heute sind sie verfallen, ein Ärgernis im Bezirk.

Nach den Feierlichkeiten zum 30-jährigen Bestehen von Hohenschönhausen – der Heimatforscher wird am 9. Februar neben dem Bezirksbürgermeister eine Rede halten – wird sich Meyerhöfer seinem nächsten Projekt widmen. Er plant eine Ausstellung zum Viertel Mühlengrund, dem ersten der vier Neubaugebiete in Neu-Hohenschönhausen. Das Viertel entstand von 1982 bis 1987.