Berlin - Frust statt Freude auf die Hochzeit: Heiratswillige im Berliner Stadtbezirk Mitte müssen derzeit viel Geduld, starke Nerven - und warme Kleidung haben. Weil im Standesamt Personal fehlt, werden nur wenige spontane Termine für die Anmeldung einer Eheschließung angeboten - und das nur an zwei Tagen in der Woche. Folge: Bereits morgens ab vier Uhr stellen sich die ersten Brautpaare an, um eine der begehrten Wartenummern für den Tag zu ergattern. Bei eisigen Temperaturen müssen sie im Freien ausharren, ehe um 7.30 Uhr die Nummern vergeben werden und um 9 Uhr die Sprechzeit beginnt. Wer nicht zum Zug kommt, muss es an einem anderen Tag erneut versuchen.

Viele Stellen nicht besetzt

„Ich bin schockiert“, „unfassbar“, „unverschämt“: In Medien und sozialen Netzwerken machen Betroffene ihrem Unmut Luft. Die zuständige Bezirksstadträtin Sandra Obermeyer ist sich des Problems bewusst. „Ich verstehe, dass die Leute sich beschweren“, sagte sie am Mittwoch. „Auch die Mitarbeiter sind traurig und leiden darunter“. Problem sei der Personalmangel, 5 von 15 Standesbeamten-Stellen seien nicht besetzt. Neue Mitarbeiter seien schwer zu finden, Bundes- und Landesbehörden böten attraktivere Arbeitsbedingungen. Zudem sei für Standesbeamte eine zusätzliche Ausbildung nötig.

Immerhin: Drei neue Beschäftigte seien inzwischen eingestellt, ihre Zusatzausbildung sei bis Mitte des Jahres abgeschlossen. „Es wird besser, aber ich kann diesen Prozess nicht beschleunigen“, sagte Obermeyer. (dpa)