Es ist so ungerecht. Findet zumindest das Kind. Alle anderen dürfen aufbleiben, spielen oder fernsehen. Denn draußen scheint ja noch die Sonne, und das Leben tobt. Schlafen? Jetzt noch nicht! Den Appell an die Vernunft können sich die Eltern getrost sparen.

Um das wehrhafte Kind zu überzeugen, muss man kreativ werden, sagt die Familienexpertin Nicole Wirtz. Sie hat ein Buch über die Herausforderungen des Alltags mit kleinen Kindern geschrieben („Die Gummibärchen-Methode“), hier sind ihre Tipps.

1. Naheliegend: Verdunkeln

Kinderzimmer ohne Rollläden und Vorhänge sind problematisch, denn erst die Dunkelheit gibt unserem Gehirn das Zeichen, in den Schlaf- und Ruhemodus zu schalten. Die Investition in einen zuverlässig blickdichten Vorhang lohnt sich daher. Mit etwas Glück schläft das Kind dann abends nicht nur besser ein, sondern steht am Wochenende auch später auf. Träumen darf man ja schließlich noch.

2. Effektiv: Rituale

Besonders kleine Kinder profitieren von der immer gleichen Routine vor dem Zubettgehen. Zum Beispiel: erst den Schlafanzug anziehen, dann Zähne putzen, Geschichte lesen, Gute-Nacht-Kuss. Kinder sind Gewohnheitstiere, schlaue Eltern machen sich das auch am Abend zunutze. Die Mutter der dreijährigen Jana etwa berichtet: „Wir haben auch bei Helligkeit keine Probleme, unsere Tochter ins Bett zu bringen.“ Die Kleine sei seit Babytagen an ihr Zubettgeh-Programm gewöhnt, die Eltern haben Rituale entwickelt, die aber auch variiert werden dürfen. Ein paar Mal hat Jana abends beim Zubettgehen gesagt: „Es ist aber noch hell!“ Die Antwort ihrer Mutter: „Ja, es ist hell, und jetzt ist Schlafenszeit.“ Durch die klare Ansage lässt sich Jana beruhigen und schläft auch im Sommer meist problemlos ein.

2. Nützlich: Baden

Jetzt ist die Jahreszeit, in der die Kinder draußen auf den Spielplätzen toben. Der Sand klebt an den Fingern, in den Ohren und zwischen den Zehen. Vor dem Schlafen zu baden, macht nicht nur sauber, sondern gleichzeitig auch schön müde. Wer nicht immer die ganze Wanne volllaufen lassen will, kann sich einen Wannen-Abtrenner besorgen (etwa von Babydam). So wird die große Wanne zur kleinen, und weniger Wasser und Geld rauschen durch den Abfluss.

4. Ungewohnt: Hörspiel machen

Die Familienexpertin Nicole Wirtz hat mit ihren Söhnen, 11 und 13 Jahre alt, früher oft vor dem Einschlafen gespielt. Zum Beispiel: „Ich höre was, was du nicht hörst“. Kind liegt im Bett, Mutter sitzt daneben, und beide lauschen auf die Geräusche im Raum und außerhalb des Kinderzimmers. Fährt eine Vespa vorbei? Welcher Vogel singt denn da? „Kinder hören viel mehr als wir, und beim Einschlafen hilft es, sich nur auf einen einzigen seiner Sinne zu konzentrieren“, sagt Nicole Wirtz. Auch Hör-CDs, etwa mit Naturgeräuschen, können spannend sein. Ältere Kinder können es mal mit einer Entspannungs-CD versuchen. Oder eben mit dem Lieblingshörspiel.

5. Entspannend: Neues Erfinden

Neue Ideen machen Spaß und erleichtern den Einstieg ins Kinderbett. Bringen Sie gemeinsam erst alle Kuscheltiere ins Bett, dann das Kind. Oder erzählen Sie die Gute-Nacht-Geschichte zur Abwechslung mal mit der Handpuppe aus der Kasperlekiste. Auch wirksam: Zählen Sie zusammen alle Freunde und Verwandte auf, die jetzt bestimmt auch schon schlafen: Opa schläft schon, Max schläft, Tante Susi schläft... Wirkt wie Schäfchenzählen!

6. Gut: Kleine Extras

Na gut, heute wird das Sandmännchen-Buch ausnahmsweise auf dem Balkon vorgelesen, weil es noch schön warm draußen ist. Und das Zähneputzen geht auch im Garten, mit ein bisschen Disziplin. Solche Extras sind vor allem für ältere Kinder reizvoll, die kein striktes Abendritual mehr brauchen.

7. Ausnahmsweise: Aufbleiben lassen

„Ab und zu kann man auch einfach mal ein Auge zudrücken, wenn es an einem schönen Sommerabend später wird“, findet Nicole Wirtz. So viele schöne Sonnentage sind uns ja schließlich auch nicht vergönnt.

Sie führt die Schlafenszeit-Diskussion mit ihren Söhnen regelmäßig an Abenden von Fußballübertragungen. „Bei meiner Entscheidung kommt es dann auf den Wochentag an und darauf, was am nächsten Tag in der Schule ansteht.“ Man müsse da nicht dogmatisch sein, besser seien Authentizität und eine klare Haltung: „Kinder merken ganz schnell, ob man wankelmütig ist oder nicht. Falls ja, zieht man als Mutter oder Vater in der Diskussion oft den Kürzeren.“