Berlin - Ein Ohrwurm dreht sich seit Wochen in meinem Kopf. Wenn ich den Titel sage, singen meine Freunde gleich begeistert „Heißer Sommer in diesem Jahr, ist ein heißer Sommer – wie wunderbar“. Das  Defa-Musical hatte am 21. Juni vor 53 Jahren Premiere, steht bei „Defa-Filme 75“ bis 5. Juli in der ARD-Mediathek. Wie war das damals  beim Erfinden der Melodien, frage ich telefonisch Komponist Thomas Natschinski in seinem Haus in Eichwalde.

Gerne erinnert er sich an die Zeit, „ich war gerade 19, noch Student an der Hochschule für Musik Hanns-Eisler in Berlin, es war mein erster Film und ein sehr schöner Anfang!“ Schließlich  hatte er seit seinem 16. Lebensjahr die Beat-Band „Team 4“, traute es sich sofort zu. Schon kurz nach der Premiere erzielte der Film  von den Jugendlichen bei ihren Ferien an der Ostsee zwei Millionen Besucher. Thomas Natschinski und Journalistin Christine Dähn touren jetzt erfolgreich mit einer Konzert-Lesung dazu (ab 5.8. auf Rügen, in Greifswald/Wyk, Born/Darß, Usedom-Stadt). Das Publikum sind die Fans von damals, „heute 60 bis 80 Jahre alt und ihre Kinder und Enkel, die Songs sind eine Erinnerung an schöne Ostsee-Urlaube“.

Thomas Natschinskis Vater,  Komponist Gerd Natschinski („Messeschlager Gisela“, „Mein Freund Bunbury“) war verantwortlich für die Musik und hatte den Sohn gefragt, ob er mitmachen wolle. „Es war kein Schlagerfilm geplant, sondern in dem Musical sollten auch Rock und Beat vorkommen“, erzählt Thomas Natschinski. „Das war ganz toll, mein Vater redete mir überhaupt nicht rein. Er sagte: ,Du machst Dein Ding, ich mach mein Ding.‘“ So erdachte der Jüngere oben im Elternhaus seine vier Titel, der Ältere die seinen unten.

„‚Die Musik muss sein wie bei den Amis‘, gab Regisseur Jo Hasler uns mit auf den Weg und schnipste den Rhythmus begeistert mit den Fingern.“ Thomas Natschinski lacht, „wir DDR-Musiker schwärmten für Musicals wie ,Westside-Story‘ und ,Cabaret‘“.  Die Musik ist für ihn das Geheimnis des dauerhaften Erfolgs. „Sie klingt heute noch sehr frisch. Das rockige ,Wir‘, das zeitlose ,Sommerlied‘, die Ballade ,Woher willst Du wissen, wer ich bin?‘. Etwas ganz Besonderes ist für mich ,Es war einmal ein Mädchen von kaum 17 Jahr‘. Eisler hat mich damals sehr fasziniert, wir haben im Studium viel von ihm gespielt und so ist dieser Song in seinem Stil entstanden.“