Dass er für seine Ideen mehr Platz braucht, passiert Lovis Willenberg immer wieder. Das erste Mal war das 2004, als er in einem Greenpeace-Magazin Schuhe aus recyceltem Material entdeckte, aber keinen Laden fand, in dem er sie kaufen konnte. Kurzerhand räumte er in seinem Plattengeschäft in Prenzlauer Berg ein Eckchen frei und bot dort Öko-Schuhe und recycelte Kleidung an, die er im Internet fand. Bald reichte die Laden-Ecke nicht mehr aus, weil immer mehr Leute die nachhaltig produzierten Sachen kaufen wollten.

Lovis Willenberg gründete darauf den Heldenmarkt – eine Messe für umweltbewusst und fair hergestellte Erzeugnisse. Im Postbahnhof am Ostbahnhof wurden ab 2010 nicht nur Öko-Klamotten präsentiert, sondern auch Finanzanlagen und Strom sowie Bio-Duschgel, -Papier und -Nahrungsmittel. Fünf Jahre später erfolgt jetzt die nächste Expansion: Der Heldenmarkt verlässt den Postbahnhof, wo sich die bis zu 10.000 Besucher zuletzt arg drängeln mussten. Die Messe findet jetzt in der Station am Gleisdreieck in Kreuzberg statt.

Die Wegwerfgesellschaft ist an ihren Grenzen angelangt

„Dort haben wir mehr als doppelt so viel Platz, was vor allem für die Besucher komfortabel ist“, sagt Willenberg. Seinen Plattenladen hat der Musikliebhaber zwar immer noch, aber dort steht er nicht mehr selbst hinterm Tresen. Er braucht die Zeit für sein neues Unternehmen – mit sieben Mitarbeitern organisiert der 42-Jährige seine Heldenmarkt-Messen inzwischen nicht nur in Berlin, sondern auch in Stuttgart, Frankfurt am Main, Hamburg, Bochum und München, ab 2016 kommen noch Leipzig und Düsseldorf hinzu.

„Viele Menschen wissen oder spüren, dass unsere Wegwerfgesellschaft längst an ihre Grenzen gestoßen ist“, sagt Willenberg. Mit dem Heldenmarkt sollen Alternativen aufgezeigt werden. Dabei geht es nicht nur um die wöchentliche Gemüsekiste vom Bauern aus der Region für das gute Gewissen. Nicht nur um den neuen Fußball, für dessen Herstellung im Ausland faire Löhne gezahlt werden. „Jeder kann etwas dafür tun, die Welt ein Stückchen besser zu machen“, so Willenberg. So könne man sich auch fragen, ob man sein Geld weiterhin Banken anvertraut, die mit Landminen Geschäfte machen oder woher der Zuhause- Strom wirklich kommt.

Mehr als 200 Anbieter wollen solche und weitere Alternativen zum herkömmlichen Konsum präsentieren. Es gibt auch Workshops, Kochshows und Vorträge. Man kann aber auch einfach nur einkaufen. Es gibt unter anderem Gürtel aus alten Autoreifen, Papier aus Elefanten-Dung (nein, es riecht nicht!) und Unterhosen aus Öko-Baumwolle. Eine Schweizer Firma bringt eine kompostierbare Kaffeekapsel mit, die aus Maisstärke und Zuckerrohr besteht und sich nach vier Wochen vollständig zersetzen soll. Lovis Willenberg sieht die gute Absicht, Plastikmüll zu sparen, er sagt aber: „Für Berlin, wo die BSR den Biomüll nicht so lange verrotten lässt, ist das schwierig.“

Faire Smartphones

Auch die moderne Technik will Ökostatus erlangen: Eine niederländische Firma präsentiert ihr neuestes „Fairphone“. Es werde zwar in China produziert, so wie andere Smartphones auch und die Materialien seien dieselben, heißt es, aber: Die Arbeiter würden wirklich fair bezahlt. Und: Batterie und Display lassen sich auswechseln, sodass man kein neues Gerät kaufen muss, wenn etwas kaputt ist.

Der Heldenmarkt ist nicht die einzige Messe am Wochenende in der Station. Auch die Veggie-World, die nach eigenen Angaben größte Messer für den veganen Lebensstil, präsentiert sich dort. Lovis Willenberg findet, dass beides gut zusammenpasst: „Wer über Nachhaltigkeit im Leben nachdenkt, kommt ganz automatisch auch zum Thema Ernährung. Und auch das ist sehr vielfältig. “

Heldenmarkt und Veggie-World: Sa 10–20 Uhr, So 10–18 Uhr, Eintritt 10 Euro, ermäßigt 8 Euro, Kinder bis 14 Jahre frei, Station, Luckenwalder Straße 4, Kreuzberg

Weitere Informationen finden Sie unter http://www.heldenmarkt.de/ und http://veggieworld.de/de/