Ein Polizeibeamter, der am Dienstagabend in Hellersdorf schwer verletzt wurde, droht auf einem Auge zu erblinden. Als die NPD am Alice-Salomon-Platz demonstrierte, hatte einer der Gegendemonstranten  dem 48-jährigen Zivilbeamten eine Glasflasche ins Gesicht geschlagen. Nach Angaben einer Polizeisprecherin erlitt der Polizist mehrere Jochbeinbrüche. Auch die Augenhöhle sei verletzt worden. Vermutlich sei auch ein Gesichtsnerv durchtrennt worden, sagte die Sprecherin am Freitag. Der 48-Jährige muss nun operiert werden. Nach Angaben der Ärzte besteht bei der komplizierten OP die Gefahr, dass der Patient die Sehfähigkeit auf dem rechten Auge verliert.

Die Polizei konnte den 29-jährigen Täter, der aus dem Umfeld der Gegendemonstranten gekommen sei, unmittelbar danach festnehmen. Er wurde erkennungsdienstlich behandelt und musste sich einer Blutentnahme unterziehen, da er unter Alkoholeinfluss stand.

Vor dem Flüchtlingsheim an der Carola-Neher-Straße steht jetzt permanent ein Polizeiauto, aus dem heraus die Unterkunft bewacht wird. Nach Angaben von Anwohnern  fährt die Polizei seit dem frühen Freitagmorgen in der Umgebung verstärkt Streife.

Aktivisten eines  antirassistisches Infoportals kündigten unterdessen an, „im Rahmen unserer Möglichkeiten die Situation vor der Unterkunft sichernd begleiten“. Bei der Polizei ist man darüber beunruhigt: „Bürgerwehren haben keine Befugnisse. Ihre Mitglieder können sich schnell strafbar machen“, sagte Polizeisprecher Stefan Redlich. „Für die Sicherheit ist die Polizei zuständig.“

Ein Polizeisprecher  wies von linken Gruppen verbreitete Gerüchte zurück, wonach die Polizei Angriffe auf die Unterkunft verheimliche und eine nicht zutreffende Sicherheitslage kommuniziere. So habe sie am Kastanienboulevard eine Person kontrolliert, die laut Augenzeugen einen Rucksack voller Steine dabei gehabt hatte.

Die Polizei veröffentlichte am Freitagmittag eine andere Darstellung: Danach wurde eine Polizeistreife in der Nacht zum Freitag auf einen dunkel gekleideten Mann aufmerksam, der mit einem Rucksack in der Nähe der Gemeinschaftsunterkunft für Flüchtlinge und Asylsuchende unterwegs war. Nachdem der Verdächtige mehrfach in Gebüschen entlang der Carola-Neher-, der Maxi-Wander- und der Klingenthaler Straße verschwunden war, hielten ihn die Beamten gegen 2.45 Uhr an und überprüften ihn. Ein Gegner des Flüchtlingsheims war er laut Polizei nicht, er stamme aus Litauen. Er hatte in dem Rucksack einen Seitenschneider, zwei Schraubendreher und eine Taschenlampe. Die Polizei interpretiert dies als Einbruchswerkzeug.  Da in der Umgebung jedoch keine Einbrüche festgestellt wurden, der 20-Jährige auch kein Diebesgut bei sich hatte und gegen ihn keine weiteren Erkenntnisse vorlagen, konnte er seinen Weg fortsetzen. Der Rucksack und die Werkzeuge seien  zur Gefahrenabwehr sichergestellt worden.

Unterdessen bereitet sich die Polizei auf einen erneuten Großeinsatz an diesem Sonnabend vor. Wie berichtet, hat die NPD für die Zeit zwischen 16 und 19 Uhr   unter dem Motto „Asylflut stoppen“  am Alice-Salomon-Platz eine Kundgebung angemeldet. Sie rechnet mit 15 Teilnehmern. Die Linke Marzahn-Hellersdorf hat eine Gegendemo unter dem Motto „Gemeinsam gegen Nazis“ angekündigt. Die Polizei rechnet hier mit mehreren hundert Teilnehmern und will selbst mit mehreren hundert Beamten im Einsatz sein.

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