Berlin - Sie agieren im Verborgenen, doch die Rockerszene verfestigt sich in der Hauptstadt mehr und mehr. Neue Zahlen des Senats zeigen, wie sich die acht Rockergruppen im Milieu organisieren und wohin sie ihre Geschäfte in der Stadt verlagern.

Das Tragen von bestimmten Rockerkutten ist seit 2014 in der Öffentlichkeit verboten. Doch darin liegt wiederum der Fluch: Die Szene gibt sich nicht mehr zu erkennen. Laut Innenverwaltung gibt es derzeit acht Rockergruppierungen in der Stadt.

Hells Angels, Bandios und Co.

Die Hells Angels sind mit vier Chartern (Ortsgruppen) und zehn Unterstützergruppen am stärksten. Gefolgt von den Bandidos, die zwei Ortsgruppen und sechs Unterstützergruppen haben. Daneben gibt es andere Rockergangs, die zwar klein aber sehr agil sind: Sie nennen sich Born To Be Wild, Rolling Wheels, Gremium, Mesopotamias oder Brothers. 

Die Guerilla Nation, laut Senat ausschließlich Tschetschenen, hat vor sich zwei Jahren offiziell aufgelöst. Und macht trotzdem weiter. Der Gruppe wird eine wüste Schießerei vor einem Lokal in Wedding im Mai 2017 zugerechnet (Gerichtsverhandlung war schon). Kontakte zur rechten Szene haben die Rocker auch, heißt es. Sie werden aber nicht kriminell genutzt.

Viele Rocker leben in Brandenburg

Diese Erkenntnisse gab der Senat nach einer parlamentarischen Anfrage von Tom Schreiber (SPD) bekannt. Der Innenexperte sagt: „Oft leben die Rocker in Brandenburg und machen in Berlin ihre Geschäfte. Das sieht von außen sehr ruhig aus, doch dem ist nicht so.“ Die Szene habe sich verfestigt, so Schreiber.

Und sie wandere. „Das Milieu hat sich von Biesdorf nach Marzahn-Hellersdorf bewegt. Die Rocker versuchen, illegale Geschäfte in legale umzuwandeln.“ Im Fokus derzeit: das Lokal „Germanenhof“ in Hohenschönhausen. Schreiber wird an dem Rocker-Thema dranbleiben: „Straftaten wurden nicht aufgeklärt – auch Mord.“